Kuriose Sammelleidenschaft – Bad Schwalbacher hat über 70 Analogcomputer
Analogcomputer waren das Ding in Wissenschaft und Technik, bevor die modernen Digitalcomputer aufkamen. Bernd Ulmann aus Bad Schwalbach ist leidenschaftlicher Sammler – sein Haus voll mit Analogrechnern. Manche klein wie ein Koffer, andere groß wie ein Kleiderschrank.
Ein Knopfdruck und die riesige Maschine beginnt leise zu brummen. Dann geht Bernd Ulmanns Herz auf. Analogrechner sind die große Leidenschaft des Informatikers. Sein Haus: Von oben bis unten voll mit alter Technik. Darunter auch der erste deutsche Analogrechner aus dem Jahr 1953.
Bernd Ulmann, Analogrechner-Sammler
„Hier sieht man auch schön die Grundidee eines Analogrechners. Ich habe viele solcher Rechenelemente, die ich, wenn ich ein Programm implementiere, mit Kabeln miteinander verbinde; das heißt, ich habe irgendwie eine mathematische Berechnung und dann verbinde ich Module in geeigneter Art und Weise miteinander, damit die ein Modell dafür bilden.“
Der Telefunken RA-1 war der Startschuss für eine erfolgreiche Ära. Vor allem die Industrie interessierte sich in der Zeit des Wirtschaftswunders für die Maschinen. Mit ihnen wurden Probleme, die vorher nur durch umständliche Experimente gelöst werden konnten, schnell berechnet und simuliert.
Bernd Ulmann, Analogrechner-Sammler
„Das ist ein sehr vereinfachtes, aber trotz allem halbwegs realistisches Beispiel einer Fahrzeugsimulation. Was ich hier habe, ist eine Straße – eine Holperstrecke – und auf dieser Holperstrecke fährt mein Autochen. Was man jetzt mit der Simulation machen kann: Man kann jetzt ausprobieren, wie wirken sich unterschiedliche Federkostanten, unterschiedliche Dämpferkonstanten auf den Fahrtkomfort zum Beispiel aus.“
Schon mit 14 Jahren entdeckt Bernd Ulmann seine Leidenschaft für die historischen Computer. Seitdem hat er über 70 Analogrechner in verschiedensten Größen und unzählige Bauteile dafür angesammelt. Sein ganzer Stolz ist die EAI Pacer 700.
Bernd Ulmann, Analogrechner-Sammler
„Der härteste Hardfact ist, dass die Maschine so wie sie hier steht, zweieinhalb Tonnen wiegt. Das war auch die größte Herausforderung die es erforderlich gemacht hat, dass wir wirklich um die Maschine herumbauen. Wir brauchten hier ein extra Fundament, weil das kann man nicht in ein Familienhaus stellen und der Transport der Maschine war auch für mich nervenaufreibend, weil sie mit einem RIGA-Kran hier reingelupft worden ist.“
Schon seit acht Jahren versucht Ulmann die Maschine zu reparieren, denn sie ist ein echtes Stück Raumfahrtgeschichte. Mit ihr wurde die erste Ariane-Rakete entwickelt, die erste europäische Rakete im Weltraum. So wie viele andere Analogrechner ist die Pacer durch Zufall bei Bernd Ulmann gelandet.
Bernd Ulmann, Analogrechner-Sammler
„All das, was hier steht, wäre eigentlich verloren gewesen, wenn es nicht gerettet worden wäre. Und das ist schade. Wir hätten nicht die Fahrzeuge, nicht die Schienenfahrzeuge, nicht die Luftfahrzeuge, auch nicht die Raumfahrzeuge, die wir haben, wenn wir nicht diese Analogrechner in den 50er, 60er, 70er Jahren gehabt hätten. Das heißt, dass ist wirklich auch ein Kulturerbe, dass es zu bewahren gilt.“


