Blindensport Goalball – Unser Reporter macht den Test
Goalball, ist die weltweit beliebteste Ballsportart für Menschen, die vollständig oder teilweise blind sind. Ziel des Spiels ist es, einen Ball so groß und schwer in etwa wie ein Medizinball in das gegnerische Tor zu werfen und die Würfe des Gegners zu parieren. Verlassen müssen sich die Spieler dabei ausschließlich auf ihr Gehör. Unser Reporter Moritz Huhn hat den Sport einmal für uns ausprobiert und sich dafür beim deutschen Rekordmeister, der SSG Blista Marburg ein paar Tipps abgeholt.
Die Würfe rollen mit bis zu 80 km/h aufs Tor. Der Ball – dreimal so schwer, wie ein Fußball. Und die Spieler werfen sich blind in jeden Wurf. Goalball: Eine der wenigen Sportarten, die speziell für Menschen mit Behinderung konzipiert wurde. Hier in Marburg wird sie auf dem allerhöchsten Niveau gespielt. Elf deutsche Meistertitel, Champions League Teilnahme und der Trainer der SSG Blista Marburg ist zeitgleich auch der Deutsche Nationaltrainer. Von ihm will sich unser Reporter Moritz heute die Sportart zeigen lassen. Die größte Herausforderung beim Goalball für den Coach:
Stefan Weil, Trainer SSG Blista Marburg
„Du wirst so viel mit deinem räumlichen hören zu tun haben und überhaupt erstmal abschätzen zu lernen, wo kommt der Ball hin und von wo kommt er überhaupt. Du wirst merken, wie krass du dich auf diesen Sinn, der dir jetzt gleich genommen wird, verlässt.“
Orientierung geben eine Rassel im Inneren des Balles und abgeklebte Linien am Boden, die die Spieler ertasten können. Geworfen wird ähnlich, wie beim Bowling. Und verteidigt – mit vollem Körpereinsatz.
Stefan Weil, Trainer SSG Blista Marburg
„So, wie es Typen gibt, die Körperkontakt einfach mögen und deshalb gerne Rugby spielen oder American Football spielen oder beim Handball am Kreis geht es auch ordentlich zur Sache. So jemand muss man sein, wenn man Goalball spielt. Man muss es schon auch etwas feiern mal blaue Flecken zu haben. Aber heute keine Angst, heute machen wir es etwas gelassener.“
Also schnell noch ein paar Tipps abgeholt, wie man die schlimmsten blauen Flecken vermeidet, die Maske aufgesetzt und los geht’s.
Moritz Huhn
„Der Ball ist schon schwer und man braucht Körperspannung, ansonsten tut es richtig weh.“ – „Ich kann überhaupt nicht zielgenau werfen. Also ich bin froh, wenn der einfach nach vorne kommt. Und dann muss man wirklich wieder schnell runter und sich dann zu orientieren, finde ich ganz schwierig.“
Und dann: Moritz wirft den Ball zu hoch in die gegnerische Hälfte. Strafwurf! Jetzt muss er alleine das neun Meter breite Tor verteidigen.
Gehalten! Trotzdem verliert Moritz‘ Team. Gegen die Erfahrung der Spieler der SSG Blista Marburg ist er chancenlos.
Roman Qayumi, Spieler SSG Blista Marburg
„Das ist einfach eine Trainingssache, würde ich sagen. Mit der Zeit weißt du einfach, wie zuhause auch, wo die Zahnbürste liegt und kannst die blind greifen und so ist das dann zuhause, wie auf dem Spielfeld auch. Irgendwann weißt du einfach, wie diese neun Meter aufgebaut sind und hast ein Gefühl einfach durch Training.“


