Stadt Pirmasens mit Integrationspreis ausgezeichnet

Seit Anfang des Jahres gilt in Pirmasens eine in der Form einmalige Zuzugssperre. Die Stadt in der Westpfalz muss seitdem keine neuen Asylsuchenden mehr akzeptieren. Der Grund: Pirmasens hatte die Aufnahmequote von geflüchteten Menschen damals bereits um 80 Prozent überschritten – und war damit überfordert. Die Stadt entwickelte unabhängig davon ein eigenes Integrationsprojekt – den sogenannten „Pirmasenser Weg“. Das heißt, Flüchtlinge werden vom ersten Tag an begleitet und schnell an den Arbeitsmarkt herangeführt. Für das Projekt wurde die Stadt nun mit dem Integrationspreis des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Ahmad Mirzaee kommt 2016 aus Afghanistan nach Pirmasens. In seiner Heimat arbeitet der damals 35-Jährige bereits drei Jahre als Elektriker. Auch in Deutschland will er sofort wieder in seinem Beruf starten – doch das ist schwieriger als gedacht. Die Stadt Pirmasens unterstützt ihn auf diesem Weg. Ahmad beginnt eine Ausbildung in einem Elektrobetrieb und bleibt dem Unternehmen bis heute treu.
Ahmadzia Mirzaee, kam 2016 aus Afghanistan
„ Der Chef ist ein sehr netter und freundlicher Mensch. Fast wie ein Freund. Wir haben eine gute Gruppe, freundliche Kollegen.“
Was Ahmad erreicht hat, wünschen sich auch die Teilnehmer des Integrationskurses in Pirmasens. Die Stadt hat das Projekt vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Flüchtlinge bekommen ab Tag 1 klare Strukturen: Zum Beispiel lernen sie die deutsche Kultur und Tradition kennen – Feiertage, Ruhetage, aber auch ganz praktische Dinge wie Mülltrennung oder das Schreiben eines Lebenslaufs stehen auf dem Stundenplan. Brigitte Wagner leitet den Kurs. Sie ist von Anfang an dabei und weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, fremd in einer anderen Kultur zu sein. Vor allem die individuelle Betreuung mache das Projekt so erfolgreich.
Brigitte Wagner, Kursleiterin
„Ich denke einfach auch die Menschlichkeit bei uns, dass sie wie eine Person auf Augenhöhe behandelt werden. Ich spreche sie auch immer persönlich an und sag wenn du Probleme hast kommst du zu mir. Und einfach die Empathie, die man auch miteinander hat, denke ich ist mit am wichtigsten.“
Für ihre Schüler ist sie nicht nur Lehrerin, sondern eine feste Bezugsperson. Viele nennen sie deshalb liebevoll einfach „Mama“. Ziel des Projekts: Bereits nach wenigen Wochen einen Ein-Euro-Job auszuüben. Und danach möglichst schnell eine feste Stelle auf dem Arbeitsmarkt finden. Die Stadt unterstützt sie dabei aktiv. 70 Menschen haben bereits durch das Projekt den Weg in den regulären Arbeitsmarkt gefunden. Die Kosten beziffert die Stadt auf 40.000 Euro jährlich. Für die hochverschuldete Kommune kein kleiner Betrag, aber eine Investition, von der die Stadt überzeugt ist, weil am Ende weniger Steuergeld ausgegeben werden muss.
Gustav Rothhaar, Amtsleiter Jugend und Soziales Pirmasens
„Wir haben natürlich Ersparnisse. Ein Flüchtling kostet im Monat etwa 1000 Euro. Wenn die Menschen netto 1.400 Euro verdienen, haben sie logischerweise keinen Anspruch mehr bei uns. Das heißt, die Aufwendungen pro Person ersparen wir bei der Stadt. Also wir denken, das ist eine Win-Win-Situation. Und die Flüchtlinge wollen unbedingt in Arbeit, die sind nicht faul, die streben in Arbeit, die wollen Geld verdienen. Und auf diesem Weg begleiten wir sie.“
Für Ahmad Mirzaee ist der Neuanfang gelungen. Er fühlt sich inzwischen in Deutschland sehr wohl. Und er hat einen klaren Plan: Er möchte mit seiner Familie hierbleiben und seine Zukunft in Pirmasens aufbauen. In der Stadt, die für ihn zu Recht den rheinland-pfälzischen Integrationspreis 2025 gewonnen hat.