Tierskulpturen im Frankfurter Liebieghaus

Der aus Hanau stammende Bildhauer August Gaul war Anfang des 20. Jahrhunderts ein regelrechter Popstar, und das, obwohl er sich fast ausschließlich mit Tieren beschäftigte. Die Frankfurter Liebieghaus Skulpturen-Sammlung präsentiert jetzt über 100 Werke von August Gaul.

Ob  exotische Tiere aus dem Zoo, oder heimische Tiere aus den hessischen Wäldern. August Gaul setzt sie perfekt in Szene. Ein Fischotter in Bronze! So eine Skulptur war vor über 120 Jahren etwas völlig Neues.
Philipp Demandt, Direktor Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt
„Gaul ist zu seiner Zeit ein Superstar gewesen. Er ist von allen fortschrittlichen Sammlern der Moderne gesammelt worden. Paul Cassirer, der wichtigste Kunsthändler seiner Zeit, hat ihn vertreten. Er war voll etabliert und eng befreundet mit vielen Künstlern. Max Liebermann, Käthe Kollwitz. Er war ja auch Teil der Berliner Sezession. Also zu seiner Zeit ein Star.“
Ein Star, der 1869 in Großauheim geboren wird. Er studiert in Hanau, dann in Berlin. Dort verbringt er jeden Morgen im Zoo. Er beobachtet ganz genau, wie sich die Tiere bewegen, und zeichnet sie. Später im Atelier formt er seine Skulpturen. Ganz anders als die Bildhauer vor ihm. Die Figuren von August Gaul stehen im gesamten Liebieghaus. Ganz bewusst neben und zwischen all den Werken der Antike und des Mittelalters. „Tiere sind auch nur Menschen“, heißt die Ausstellung.
Vinzenz Brinkmann, Kurator der Ausstellung
„August Gaul ist außerordentlich revolutionär, er stemmt sich gegen das stereotype Bild eines wilden Tieres, das als Bestie erscheint. Also, einen Gegner angreift oder eine Gefährdung für die Zivilisation darstellt. Sondern er sucht die 99 Prozent im Leben eines Tieres, in denen das Tier nicht angreift, sondern sich sorgt, eine Fürsorge entwickelt oder sich einfach ausruht.“
Einige der Skulpturen stehen normalerweise draußen. So wie dieser Adler, er ist extra aus Berlin sozusagen eingeflogen und bewacht jetzt den Balkon des Liebieghauses. Ein 550 Kilogramm schwerer Raubvogel, mit einer Spannweite von 5 Metern 66. Die Installation an der Fassade der Skulpturensammlung hat einen ganzen Tag gedauert. Tierskulpturen sind Anfang des 20. Jahrhunderts das Thema für angesagte Bildhauer.
Philipp Demandt, Direktor Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt
„Weil die menschliche Figur war nach vielen Tausend Jahren Kunstgeschichte auch so ein bisschen durchgenudelt. Die Tiere waren ein neues Gebiet, ein Experimentierfeld für die Moderne.“
Über 100 verschiedene Tierfiguren gibt es im Liebieghaus zu entdecken. Manche möchte man am liebsten knuddeln. Die Skulpturen von August Gaul sorgen für gute Laune – und das bis zum 3. Mai kommenden Jahres in Frankfurt.