Herbstliche Hilfe für Igel

Igel gehen jetzt eigentlich in den Winterschlaf. Doch viele sind dafür zu schwach oder krank. Dann kümmern sich Auffangstationen. Doch die sind momentan randvoll und suchen immer wieder Ehrenamtliche. Unsere Reporterin Tabea Laier hat den ‚Happy Igel Verein‘ in Karben besucht und dort mitgeholfen.

Tabea Laier, Reporterin in Karben
„Es ist ganz schön viel los bei der Igelstation hier in Karben, denn dieses Jahr werden besonders viele Igel gefunden und hier abgegeben. Da biete ich doch gerne meine Hilfe an als Praktikantin für einen Tag. Weil ich aber bisher recht wenig Ahnung hab, wie man richtig mit Igeln umgeht, suche ich mir Hilfe von Jasmin Meis. Die ist nämlich Vorsitzende des Happy Igel Vereins. Los geht’s.“
Drinnen wartet Jasmin Meis schon auf mich in der Igelnotaufnahme, mit einem Igelbaby, das ganz frisch bei ihr abgegeben wurde.
Jasmin Meis: Hi, Grüß dich.
Tabea Laier: Hi. Oh da sehe ich ja schon einen kleinen Igel. Was machen wir denn jetzt mit dem, wie fangen wir denn jetzt an, wie kümmern wir uns um den?
Jasmin Meis, Happy Igel e.V.: Ja, das ist die kleine Brownie, die muss gewogen werden, die Zecke müssen wir ziehen, wie müssen schauen, ob sie Milben hat, ob sie Wunden hat. Das Gewicht müssen wir dokumentieren. Und dann schauen wir weiter. Aber du ziehst erstmal, bevor wir loslegen, Handschuhe an.
Tabea Laier: Ok, dann mach ich das mal, und dann geht’s los, würde ich sagen.
Mit Handschuhen darf ich Brownie dann auch mal halten und auf die Waage setzen.
„135 Gramm.“
Das notiere ich, damit Jasmin in den nächsten Wochen beobachten kann, ob Brownie auch ordentlich zunimmt. Dann müssen die Zecken raus.
Jasmin Meis: „Du nimmst jetzt die Pinzette und gehst ganz unten an die Zecke dran und ziehst sie vorsichtig raus.“
Tabea Laier: Kann ich da irgendwas falsch machen?
Jasmin Meis: du sollst halt die Zecke erwischen, nicht die Haut und nicht die Stacheln.
Unter Jasmins Anleitung kein Problem. Drei Sprüher Kokosöl verjagen die Flöhe. Ein Blick auf Brownies Zähne,  eine Runde Igel bürsten, dann hat Brownie es geschafft. 37 Igel hat Jasmin gerade bei sich, deutlich mehr als sonst.
Tabea Laier: Kannst du dir erklären, warum das jetzt so viele Babys dieses Jahr sind?
Jasmin Meis: Aufgrund der Wetterlage, dass es dauernd auch sehr nass ist. Die Nester sind ziemlich durchnässt teilweise. Die Würfe sind dieses Jahr wieder sehr spät. Und dann kommen die Kleinen, haben dann gar keine Chance jetzt in den Winterschlaf zu gehen beziehungsweise draußen das alleine zu schaffen.
Plötzlich klingelt das Telefon, ein Igelnotruf. Eine Frau findet einen Igel und weiß nicht, was sie mit ihm machen soll.
Jasmin Meis: Ich habe gerade das Video von Ihnen da, der hat einen Hungerknick auf jeden Fall und da ist auch noch irgendwas, was ich auf dem Video jetzt nicht genau erkenn, aber entweder es ist ne Wunde oder irgendwas, können Sie den sichern?
Alleine kommt die Frau nicht an den Igel heran. Jasmin Meis schickt jemanden aus ihrem Ehrenamtlichennetzwerk vorbei, der sich kümmert.
Tabea Laier: Ich bin unterwegs, finde beim Spazierengehen einen Igel  oder irgendwie im Garten bei mir. Was mache ich denn dann? Ich habe jetzt gar keine Ahnung, wie ich dann vorgehe.
Jasmin Meis, Happy Igel e.V.: Du guckst erstmal, dass du die Sicherheitsmaßnahmen wieder ein…dass du Handschuhe anziehst, guckst, dass du ihn sichern kannst und dass du ihn wiegst. Und dann machst du ganz postwendend, eine Station rufst du an und sagst denen erstmal, was passiert ist, dass du die Igel, wo du die gefunden hast und was er für ein Gewicht hat und  die Station wird dir dann alles Weitere erklären und dich weiterleiten, was du dann machen sollst.
Tabea Laier: Also nicht einfach behalten? Oder kann ich den Igel irgendwie auch bei mir aufziehen?
Jasmin Meis: Nein! Nein, nein, nochmals nein, um Gottes Willen, gar nicht. Diese Eigenversuche gehen zu 99 Prozent nach hinten los. Wir hatten viele Todesfälle dieses Jahr durch Eigenversuche. Und auch wenn Kinder die süß finden, sollte man das nicht machen.
Damit habe ich einen ersten Einblick in die Igelpflege bekommen und mich ein bisschen in Brownie verliebt.
Tabea Laier, Reporterin in Karben
„Überall Igel und ich bin jetzt auch, ganz ehrlich, ein richtiger Igelfan geworden. Aber ich hab auch gemerkt, Igel sind halt Wildtiere, egal wie süß sie sind und ganz ehrlich, ohne die Hilfe von Jasmin Meis hätte ich jetzt auch nicht gewusst, wie ich mit nem Igel umgehen muss. Deshalb gut, dass es so Leute gibt, die sich ehrenamtlich kümmern. Ich muss mich jetzt aber von Brownie verabschieden und setz sie mal zurück. Tschüss Brownie.“
Nach dem Trubel darf sich Brownie wieder verkriechen. Und ist hoffentlich bald stark genug für ihr eigentliches Zuhause, die Natur.