Im Gespräch: Migrations-Experte und Autor Ahmad Mansour

Mit ihm sprechen wir am Rande einer Veranstaltung im rheinhessischen Friesenheim darüber, wie sehr Migration die Kriminalstatistik verändert hat.

Markus Appelmann, Moderator:
Guten Tag.
Ahmad Mansour, Migrationsexperte:
Guten Tag, Vielen herzlichen Dank für die Einladung.
Appelmann:
Herr Mansour, wir haben gerade gesehen, dass die Zahl krimineller Ausländer weiter steigt. Warum wird Deutschland nicht Herr dieses Problems?
Mansour:
Weil wir seit Jahren das Thema verleugnen. Weil wir nicht darüber reden, wir Tabuisieren. Jeder Auseinandersetzung mit dem Thema wird sehr schnell und reflexhaft alles rassistisch abgetan. Wir suchen abenteuerliche Erklärungen, warum das doch mit Kultur, mit Sozialisation, mit Erziehungsethoden, mit mitgebrachten Werte nichts zu tun. Und der erste Schritt ist zu verstehen, dass wir ein Problem haben. Natürlich geht es nicht um alle Ausländer, sondern es geht um die Straftäter selber. Und da sehen wir, dass gewisse Nationalitäten überproportional vertreten sind in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik. Und darüber müssen wir offen sprechen.
Appelmann:
Hessens Innenminister hat uns die Zahlen präsentiert: Im vergangenen Jahr gab es mehr nichtdeutsche als deutsche Tatverdächtige. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Ursachen?
Mansour:
Erst mal müssen wir uns die Frage stellen: Wie konnte es sein, dass Leute, die geschützt werden wollen, die zu uns kommen, die erst mal dankbar sein sollen, in Sicherheit zu sein, sehr schnell kriminell werden? Und ich bin der Meinung, das hat viel mit Erziehungsmethoden zu Hause zu tun. Das hat viel mit mitgebrachten Werten zu tun. Das hat mit Sozialisation zu tun und das hat aber auch mit Verachtung des Rechtsstaates zu tun. Viele Menschen kommen zu uns und in der Begegnung mit der Mehrheitsgesellschaft, mit unserem Rechtsstaat der Meinung sind, wir sind zu schwach, die Polizei zu schwach. Der Rechtsstaat kann sich nicht durchsetzen und das motiviert, das fördert Kriminalität. Und da müssen wir eine Antwort finden.
Appelmann:
Das zeigt doch, dass die Diskussion, die Kanzler Friedrich Merz angestoßen hat, genau zur richtigen Zeit kam. Warum ist es so wichtig, dass die Diskussion in der Mitte der Gesellschaft geführt wird?
Mansour:
Na ja, die Sprachlosigkeit über solche Themen ist seit Jahren vorhanden. Viele Menschen trauen sich nicht, darüber zu reden. Es gibt sogar Wissenschaftler, die mir nach der Silvesterdebatte in Berlin gesagt haben: Es ist richtig, das zu thematisieren. Wenn ich das tue, bin ich aber an der Uni fertig und werde meine Karriere eigentlich zerstören. Und deshalb müssen wir eine Sprache finden. Wenn wir das nicht tun, gibt es Linksradikaler und Rechtsradikaler, die diese Debatte für sich beanspruchen, die die Deutungshoheit über die Debatte wollen. Und das führt nicht dazu, dass wir Lösungen näherkommen, sondern es wird zu mehr Polarisierung, zu mehr Sprachlosigkeit, es führt zu mehr Radikalisierung in der Gesellschaft. Und deshalb ist die Regierung die Parteien der Mitte, hier massiv gefragt, wirklich anfangen, eine Sprache zu finden, wirklich anfangen, darüber zu reden. Und das vermisse ich enorm.
Appelmann:
Die Zahl krimineller Ausländer in der Polizeilichen Kriminalstatistik ist erneut gestiegen – danke an Migrationsexperte Ahmad Mansour.
Mansour:
Vielen herzlichen Dank. Danke schön.