Start-Ups setzen auf Wasserstoff
Wasserstoff galt als Hoffnungsträger der Energiewende und sollte fossile Energie ersetzen. Doch der Hype bekommt erste Dämpfer. Noch ist Wasserstoff weder flächendeckend noch kostengünstig verfügbar. Wir haben ein Start-up aus dem rheinland-pfälzischen Bingen besucht, das trotzdem schon heute auf Wasserstofftechnologie setzt.
Hier hat alles seinen Anfang genommen. An der Technischen Universität Darmstadt entwickelt Silas Hofmann zusammen mit Kommilitonen die Grundlage seines heutigen Start-ups – einen Wasserstoff-Wankelmotor.
Das Besondere: Der Motor ist genauso kompakt wie ein Dieselmotor. Und das, obwohl Wasserstoff im Vergleich zu Diesel eine viel geringere Dichte aufweist. Der Vorteil für den Kunden: Um seinen Fuhrpark CO2-neutral zu machen, muss er keine neuen Fahrzeuge kaufen, sondern kann die bestehenden umrüsten.
Silas Hofmann, Mitgründer HTM
„Ein ganz prominentes Beispiel aktuell ist der Hamburger Flughafen, da haben wir schon einen von den Gepäckschleppern umgebaut. Der ist jetzt schon seit einem halben Jahr im Realbetrieb, hat hervorragend performt und der Flughafen beginnt jetzt die richtige Flottenumrüstung mit uns gemeinsam. Das ist ein Beispiel. Unsere Antriebe können auch angewendet werden in Gabelstaplern.“
Außerdem in großen Industriemaschinen und in Stromerzeugern. Dafür ist HTM jüngst eine Kooperation mit einem Maschinenbauunternehmen aus Bayern eingegangen.
Immer neue Projektpartner und Kunden zu gewinnen, ist essentiell für Start-ups wie das von Silas Hofmann. Er nimmt deshalb am Wasserstoffkongress der Innovationsagentur des Landes Rheinland-Pfalz teil.
Silas Hofmann, Mitgründer HTM
„So ein Kongress ist immer gut, nochmal einen aktuellen Stand wirklich abzufangen, nochmal mit den einzelnen Projektpartnern ins Gespräch zu kommen und dann vielleicht auch potentielle neue Projekte zu entwickeln.“
Doch Wasserstoff muss extra aufbereitet werden, was energieaufwändig und entsprechend teuer ist. Dementsprechend – sagt Sabine Mesletzky- müsse genau überlegt werden, wo sein Einsatz sinnvoll sei.
Sabine Mesletzky, Geschäftsführerin Innovationsagentur RLP
„Insbesondere, wenn ich an industrielle Transformationsprozesse zum Beispiel denke. An Produktionsprozesse, die durch Elektrifizierung alleine nicht möglich sind. Also gerade da, wo ich besonders viel auch Energie brauche. Und insofern lohnt es sich schon, sich mit diesem Thema weiter auseinanderzusetzen.“
Außerdem muss Wasserstoff auch verfügbar sein. Bis 2032 will der Bund ein Wasserstoffkernnetz aufbauen, deutschlandweit über 9.000 Kilometer Leitungen. Aber:
Petra Dick-Walther (FDP), Staatssekretärin Wirtschaftsministerium RLP
„Wir sind ein Flächenland, das heißt, dieses Wasserstoffkernnetz geht mit zwei Leitungen durch Rheinland-Pfalz. Wir haben aber auch sehr dezentral sehr viele Industrieunternehmen, die Wasserstoff benötigen. Das heißt, wir müssen uns überlegen, wie können wir dezentral Wasserstoff anbieten, mit welcher Technologie, mit welchen Ideen.“
Wie genau Wasserstoff in die ländlichen Regionen kommen soll, kann das Wirtschaftsministerium noch nicht beantworten. Auch deshalb werde der Energieträger noch lange keine vorherrschende Rolle, sagt Silas Hofmann. In Industrieparks, Logistikzentren und Flughäfen zum Beispiel gebe es aber schon jetzt Potential.
Silas Hofmann, Technischer Geschäftsführer HTM
„Da sehen wir, dass es einfach sehr effizient, sehr kosteneffizient ist, eine einzige Wasserstofftankstelle vor Ort aufzubauen, die die gesamte Flotte vor Ort abdecken und betanken und abfertigen kann im Vergleich zu einer komplexem Ladeinfrastruktur, die über den Betriebshof neu aufgebaut werden muss.“


