Im Talk: Fraport-Chef Stefan Schulte zur Lage des Frankfurter Flughafens

Hohe Standortkosten bremsen die Luftverkehrsbranche aus – sagt der Fraport-Vorstandvorsitzende.

Markus Appelmann, Moderator:
Und darüber spreche ich jetzt mit Stefan Schulte, dem Vorstandvorsitzenden des Flughafenbetreibers Fraport. Guten Tag, Herr Schulte.
Stefan Schulte, Vorstandvorsitzender Fraport:
Guten Tag.
Appelmann:
Großes Thema: die Luftverkehrssteuer. Die macht Fliegen in Deutschland teurer als in anderen Ländern. Werden Sie mal konkret, was macht das bei den Ticketpreisen aus?
Schulte:
Wenn wir ganz konkret einen interkontinentalen Flug aus Deutschland heraus zum Beispiel nach New York nehmen, dann wird er in Deutschland mit regulatiiven Standortkosten, also zum Beispiel insbesondere Luftverkehrssteuer, in einer Höhe von 20.000 € belastet. Wenn Sie den gleichen Flieger aus Spanien, zum Beispiel Madrid, nach New York setzen, dann sind das weniger als 1.000 €. Das heißt, genau das muss ja am Ende von den Passagieren bezahlt werden. Und darum sind Flüge aus Deutschland heraus teurer. Und darum ziehen wiederum Airlines Flugzeuge ab. Wenn sie Punkt-zu-Punkt-Verbindungen nehmen, hatten wir in Deutschland mal 2019 190 stationierte Flugzeuge hier in Deutschland. Davon sind 60 Flugzeuge abgezogen. Und das alleine ist schon eine Wertschöpfung, die Deutschland verloren geht, von 4 Milliarden €. Oder eben pro Flieger 170 Arbeitsplätze. Und das heißt auch weniger Konnektivität für all die Passagiere.
Appelmann:
Im schwarz-roten Koalitionsvertrag steht eine Senkung der Luftverkehrssteuer drin, um den Standortnachteil wieder zurückzudrehen. Angeblich soll es nächste Woche im Koalitionsausschuss Gespräche geben. Haben Sie Hoffnung, dass sich etwas tut?
Schulte:
Wenn Sie sich diese nackten Zahlen angucken, wie viel teurer Fliegen aus Deutschland heraus ist, wie stark wir Verbindungsqualität verloren haben. Europa ohne Deutschland liegt inzwischen bei deutlich über 100 % des Vor-Corona-Niveaus. Wir sind bei 80, 83 %. Und die Schere geht immer weiter auseinander. Wenn Sie sehen, wie viel Wertschöpfung Deutschland verliert – ich sagte gerade schon die Zahl 4 Milliarden €. Ja, dann bin ich hoffnungsvoll, weil es einfach positiv ist für Deutschland, für eine Exportnation gut international angebunden zu sein. Und da sind diese regulativen Standortkosten, insbesondere die Luftverkehrssteuer, viel zu hoch.
Appelmann:
Jetzt geht im Frühling Terminal 3 an den Start. Geben Sie mal einen Ausblick: Wann werden wir in Frankfurt wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen, also über 70 Millionen Passagiere im Jahr?
Schulte:
Wir werden das erreichen, auch wenn der Abstand zu Europa immer größer wird, wenn nicht diese regulativen Standortkosten reduziert werden. Trotzdem: ja, das Terminal 3 ist sehr gut unterwegs. Wir werden es am 23. April mit dem Erstflug starten und dann sukzessive alle Airlines aus dem Terminal 2 ins Terminal drei umziehen. Noch vor den Sommerferien wird das abgeschlossen sein. Das wird ein sehr, sehr schönes Produkt. Das wird die Wettbewerbsstellung auch hier in Frankfurt wiederum verbessern. Vor-Corona-Niveau wird aber noch drei, vier Jahre dauern. Das hängt sehr stark eben von diesem Wettbewerbsnachteil, von diesem starken Rucksack, den wir zusätzlich tragen müssen.
Appelmann:
Hohe Standortkosten bremsen die Luftverkehrsbranche aus – sagt Fraport-Chef Stefan Schulte. Vielen Dank.
Schulte:
Danke Ihnen.