Im Gespräch: „Renten-Rebell“ Pascal Reddig (CDU)

Markus Appelmann im Schaltgespräch mit dem Vorsitzenden der Jungen Gruppen in der CDU-CSU-Bundestagsfraktion.

Markus Appelmann, Moderator:
Guten Tag nach Berlin
Pascal Reddig (CDU), Bundestagsabgeordneter:
Hallo Herr Appelmann.
Appelmann:
Sozialministerin Bärbel Bas sagt, das Rentenpaket trage nicht nur die Handschrift, sondern auch die Unterschrift aller Koalitionspartner. Das Rentenpaket ist im Kabinett beschlossen. Zählt das Wort der CDU nicht mehr?
Reddig:
Das Wort der CDU zählt, und wir haben im Koalitionsvertrag klare Festlegungen getroffen. Nämlich, dass wir zum Beispiel die alte Linie bis zum Jahr 2031 auf 48  % sichern beim Rentenniveau. Genauso haben wir auch eine Festlegung bei der Mütterrente, bei der Rente, bei anderen Fragen, aber eben nicht darüber hinaus. Und der Gesetzesentwurf sieht jetzt Folgekosten darüber hinaus in Höhe von 118 Milliarden  € vor. Und dagegen wenden wir uns also nicht gegen die Festlegung im Koalitionsvertrag. Deswegen halten natürlich unser Wort. Wir erwarten es aber natürlich auch vom Koalitionspartner.
Appelmann:
Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union am Wochenende soll es einen Antrag geben mit dem Titel „Neuer Generationenvertrag für Deutschland“. Sagen Sie da den Menschen klar, dass die Rente in der 30er Jahren nicht mehr so stark steigen kann – nach Ihrem Modell….
Reddig:
Darüber werden wir auch sprechen müssen. Es vielleicht zu Beginn mal sagen, dass es jedenfalls nicht darum geht, dass wir Rentenkürzungen erleben. Es geht in der Diskussion manchmal auch etwas durcheinander, sondern es geht in der Tat um die Frage, ob die Renten etwas langsamer steigen. Im Moment steigen die Renten mit den Löhnen. Ich finde, wir können in Zukunft auch mal die Überlegung anstellen, ob sie zum Beispiel mit der Inflation steigen könnte. Das wäre das ähnliche Modell, wie Österreich es bereits macht. Darüber müssen wir sprechen und es wäre trotzdem eine sozial verträgliche Lösung, weil wir immer in Zukunft uns darauf verlassen können, dass die Renten auch weiter steigen, aber vielleicht etwas geringer. Das wäre jedenfalls auch generationengerecht.
Appelmann:
Markus Söder, der bayrische Ministerpräsident, sagte letzte Woche: Das Rentenpaket mit der Mütterrente könne doch jetzt nicht noch an so einer Kleinigkeit wie der Berechnung der Kosten nach 2031 scheitern. Eine Berechnung die immerhin zu Kosten von über 115 Milliarden Euro führt. Was sagen Sie ihm?
Reddig:
Ich teile jedenfalls die Auffassung nicht, dass 118 Milliarden  € Folgekosten eine Kleinigkeit sein. Das wäre eine riesen Hypothek und Belastung für die junge Generation, aber ehrlich gesagt auch für alle Beitragszahler in diesem Land, Weil diejenigen müssen das irgendwann zahlen. Diejenigen, die Steuern zahlen, die Beiträge zahlen. Und deswegen wollen wir da zu einer Stabilisierung gelangen. Wir brauchen eine grundlegende Reform im Rentensystem. Ich glaube, das weiß auch Markus Söder. Und darum wird es jetzt vor allem eine Rentenkommission geben. Aber ich habe auch die Erwartungshaltung, dass wir dann schnell auch zu Entscheidungen kommen, weil die Zeit immer wieder das auf nächste Legislaturperioden zu verschieben, ist jedenfalls vorbei.
Appelmann:
Mit Ihren 18 Stimmen aus der Jungen Gruppe könnten Sie das Rentenpaket im Bundestag verhindern. Also noch einmal ganz konkret gefragt: Bleibt es dabei, werden Sie das Rentenpaket blockieren, wenn es keine Änderung gibt?
Reddig:
Unsere Haltung hat sich da nicht geändert. Wir stehen zum Koalitionspakt Vertrag zur Sicherung der Haltelinie bis zum Jahr 2031 auf 48  % genauso wie auch im Übrigen zu Mütterrente zu aktiv, Rente zu früh statt Rente, aber eben nicht darüber hinaus. Alles, was für die dreißiger Jahre und darüber hinausgeht, muss die Rentenkommission lösen. Die Erwartungshaltung haben wir uns. Darüber müssen wir jetzt sprechen.
Appelmann:
Das Rentenpaket ist aus junger Perspektive eine schwere Hypothek – sagt Pascal Reddig, der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Bundestagsfraktion der Union. Danke Ihnen.
Reddig:
Vielen Dank Ihnen.