Leben im Lkw trotz schwerer Krankheit

Eigentlich wollten sie um die ganze Welt reisen. Svenja Seip und Nils Schmidt haben sich einen LKW gekauft, ihn zu einem Camper umgebaut und leben nun darin. Doch während des Umbaus vor 3 Jahren erkrankt Nils an ME/CFS – einer neuro-immunologische Erkrankung, die Betroffene so sehr schwächt, dass die kleinsten alltäglichen Aufgaben zur Tortur werden. Bisher ohne Heilung. Statt zu reisen, meistern Svenja Seip und Nils Schmidt nun ihren Alltag im LKW, momentan in Wetzlar.

Er ist ihr zuhause. Neun Quadratmeter Wohnfläche mit allem, was Svenja Seip und Nils Schmidt zum Leben brauchen. Gedacht war der LKW eigentlich für eine mehrjährige Reise. Das Paar hat das Fahrzeug gekauft, umgebaut, und ist eingezogen. Nur die große Reise sind sie nie angetreten. Nils Krankheitszustand lässt das nicht zu.
Svenja Seip, lebt im LKW
„Wir dachten eigentlich, das ist eine Sache von ein paar Wochen, ein paar Monaten und dann ist er wieder fit, bis wir das wirklich verstanden haben, das komplette Krankheitsbild, hat’s einfach sehr sehr lange gedauert.“
Seitdem ist der LKW die Wohnung von Svenja und Nils. Starke Erschöpfung und Schmerzen hindern Nils, richtig am Leben teilzuhaben.
Nils Schmidt, hat ME/CF
„Die Erkrankung schränkt mich eigentlich in allen Facetten des Alltags ein. Es gibt kaum was, was noch so ist wie vorher. Ich muss halt bei all dem, was ich mache, selbst bei ganz banalen Sachen, immer darauf achten, nicht zu viel Energie auszugeben. Was ich aber am Tag meistens hinbekomme, weil ich es mir als Priorität setzte, ist zum Beispiel für mich zu kochen zwei Mal am Tag. Eine Katzenwäsche ist meistens auch noch drin, aber dann ist zum Beispiel, alles andere ist dann optional. Da weiß ich nicht, ob ich das den Tag schaffe.“
Den Rest muss Svenja übernehmen. Auch die gemeinsamen Social Media Auftritte, mit denen sie erst von ihren Reisen, dann von ihrem Schicksal erzählen, führt Svenja  inzwischen alleine fort. Ihr  Meme  „Ich hab bestanden, mir geht’s nicht gut“ geht viral. Diese Bekanntheit nutzt sie nun, um Aufmerksamkeit für die bisher kaum erforschte Krankheit ME/CFS zu schaffen.
Social Media helfe, mit der eingeschränkten Lebensweise umzugehen, sagt Svenja.
Svenja Seip,  lebt im LKW
„Unser Leben unterscheidet sich zu 100 Prozent zu dem, was wir geplant hatten. Normal wären wir jetzt, keine Ahnung irgendwo in Südafrika oder sowas und wären gerade voll am Reisen. Stattdessen sind wir hier und ich muss mich um den ganzen Haushalt und die ganzen alltäglichen Dinge eigentlich alleine kümmern. Auch um den Ausbau hab ich mich dann letztendlich alleine gekümmert. Unser Leben ist jetzt einfach in Deutschland statt irgendwo in der Welt und mit einem halbwegs geregelten Alltag statt mit jedem Tag Abenteuer.“
Das Abenteuer holt sich Svenja  nun – allerdings  ohne Nils. Für fünfeinhalb Wochen fliegt sie in den Oman, um dem deutschen Winter zu entfliehen.
Svenja Seip,  lebt im LKW
„Wir sind seit über zehn Jahren mittlerweile zusammen und haben seitdem alles Größere zusammen erlebt. Ich musste jetzt in den letzten drei Jahren sehr viel lernen, Dinge alleine zu machen und das ist jetzt der nächste Schritt. Ich bin sehr gespannt wie’s wird. Wir stehen natürlich trotzdem weiterhin die ganze Zeit in Kontakt, aber ja, ich mach mir schon so meine Sorgen auch, wie’s ihm geht in der Zeit.“
Nils bleibt solange im LKW in der Nähe seiner Eltern. Svenja hat ihren Rucksack schon gepackt. Beide geben die Hoffnung nicht auf, dass sie die nächste Reise wieder zusammen antreten können.