Finanzwissen von Schülern soll gefördert werden
Jeder fünfte junge Mensch in Deutschland hat Schulden – das ist das erschreckende Ergebnis einer aktuellen Studie. Denn ganz alltägliche Finanzfragen sind für junge Menschen oft ein Buch mit sieben Siegeln, angefangen beim kontrollierten Ausgeben von Geld. Wie also bereits in der Schule mehr Finanzwissen vermitteln? Das wird derzeit auch in Hessen diskutiert.
Wie funktioniert das eigentlich mit der Steuer? Was hat schon in jungen Jahren die Rentenversicherung mit mir zu tun? Und vor allem: Welche Fallen drohen beim täglich lockenden Online-Shopping? An der Brühlwiesenschule in Hofheim werden diese Themen in Workshops behandelt. Die junge Generation von Schülern will nicht die gleichen Fehler machen, wie vielleicht schon ihre Eltern.
Katharina, 18 Jahre alt
„Meine Mutter tatsächlich. Die hat bei so Webseiten bestellt, wo man Klamotten kaufen konnte. Da musste man dann eben auch die Kontodaten und alles angeben. Und dann kam das eben nicht an und aufs Konto kam ein unangemessener Zugriff drauf.“Emma, 19 Jahre alt
„Was wir jetzt im Unterricht besprochen haben sind Online-Shops, gerade diese Fake-Shops. Auf die vor allem junge Leute reinfallen. Weil es einfach immer schön ist, Rabatte zu sehen. Und da halt auch einfach zu differenzieren, was echt ist und ob auch wirklich meine Sachen dann ankommen.“
Auch die Lehrer merken, dass ihre Schüler beim Thema Finanzen durchaus Nachholbedarf haben.
Imke Storek, Lehrerin Brühlwiesenschule
„Der Schule wird ja häufig der Vorwurf gemacht, dass wir nicht vernünftig aufs Leben vorbereiten. Es gab da ja mal diesen Instagram-Post vor ein paar Jahren, wo gesagt wurde: Ich habe gelernt, Gedichte zu interpretieren und Faust zu lesen, aber nichts über Steuern, Mieten oder ähnliches.“Pamir Singh, Lehrer Brühlwiesenschule
„Ich glaube, die Gefahr ist eindeutig, dass viele Informationen einfach über Social Media konsumiert werden, vielleicht auch im jungen Alter gar nicht hinterfragt werden. Gerade so Methoden, zum schnellen Geld zu gelangen, einfach dass die Schüler dafür sensibilisiert werden.“
Workshops wie die in Hofheim im Taunus sind allerdings noch die Ausnahme. Die hessische Landesregierung will die Finanzbildung an Schulen ausbauen, um ganz alltägliche Kompetenzen der Schüler zu stärken.
Armin Schwarz (CDU), Kultusminister Hessen
„Selbst entscheiden von selbstbewussten jungen Menschen auch im Bereich Finanzen. Und sich bewusst darüber zu sein, dass Entscheidungen, die man trifft, auch Konsequenzen haben.“
Ein festes Unterrichtsfach dazu gibt es allerdings noch nicht. Neben Hessen haben bislang nur zwei weitere Bundesländer beschlossen, eine vom Bund geplante Finanzbildung an Schulen zu unterstützen. Das war Anfang des Jahres, getan hat sich seitdem nichts.
Alexander Lorz (CDU), Finanzminister Hessen
„Wir haben immer noch keine nationale Finanzbildungsstrategie. Das wollte die letzte Bundesregierung noch auflegen, das ist dann durch die vorgezogene Bundestagswahl hinten runtergefallen. Wir sind eines der wenigen OECD-Länder, die das noch nicht haben.“


