CDU Hessen feiert 80-jähriges Bestehen

Seit 26 Jahren regieren in Hessen die Christdemokraten. Nicht selbstverständlich, war Hessen doch jahrzehntelang fest in roter Hand. Gegründet wurde der CDU-Landes-Verband am 25. November 1945. Die Anfänge in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs waren also schwierig und so wurde gestern beim 80. Geburtstag der Hessen-Union in Frankfurt – zusammen mit 500 Gästen – auf acht Jahrzehnte parteipolitischer Meilensteine zurückgeblickt.

Mit 80 zu alt für den Nachtklub? Für eine Partei gilt das offenbar nicht. Und so feiert die hessische Union gestern Abend im Frankfurter Zoom, dem ehemals legendären Cocoon ihren stolzen Geburtstag.
In den Trümmern eines zerstörten Landes, gestattet die amerikanische Militärregierung 1945 die Bildung von Parteien. Die neugegründete CDU-Hessen ist ein linker Landesverband, der sich an der übermächtigen SPD orientiert und lange die Zähne ausbeißt.
Alfred Dregger führt die Partei nach rechts und zu starken Wahlerfolgen. Doch erst 1987 kann die Hessenunion mit Walter Wallmann das erste Mal und auch nur für eine Amtszeit den Ministerpräsidenten stellen.
Boris Rhein (CDU), Landesvorsitzender Hessen
„Ich bin mit Walter Wallmann beispielsweise über die Turnfestwiese gelaufen, er hat mich da an der Hand genommen und hat mich wirklich durch die Gegend geführt.“
Roland Koch färbt das einst knallrote Hessen dann in das bis heute anhaltende schwarz. Anfang 2000 gerät die hessische CDU mit der Spendenaffäre in eine ernste Krise.
Roland Koch (CDU), Ministerpräsident Hessen 1999-2010
„Ich trage die Verantwortung für die Aufklärung und nicht für die Tat. Natürlich wusste ich es nicht. Wenn ich es gewusst hätte, gäbe es das ganze Problem nicht.“
Die Wahlsiege halten trotzdem an. 2014 betritt die hessische Union mit der ersten schwarz-grünen Koalition in einem Flächenland bundesweit Neuland. Volker Bouffier, einst „schwarzer Sheriff“ genannt, baut die Brücke. Sein damaliges Motto, auch dem Gegner mal recht zu geben, gelte auch heute noch.
Volker Bouffier (CDU), Ehrenvorsitzender
„Diese Regierung, die wir jetzt in Berlin haben, ist eine Notgeburt. Eigentlich wollten die nicht miteinander aber es ist das einzige, was momentan geht. Wenn die nicht lernen, regieren ohne Streit und Bereitschaft zum Kompromiss, dann werden sie scheitern und mit ihnen nach meiner Überzeugung die freiheitliche Demokratie, denn die Alternative ist Autokratie, ist Diktatur.“
Anne Volkwein (CDU), Neumitglied
„Demokratie darf auch nie für selbstverständlich gehalten werden, sondern Demokratie muss bewahrt werden und daran muss gearbeitet werden.“
Der aktuelle Landeschef führt die CDU wieder konservativer und zum ersten Mal seit 70 Jahren in eine Partnerschaft mit der SPD. Spät noch mal neu geheiratet, könnte man sagen.
Boris Rhein (CDU), Landesvorsitzender Hessen
„Unsere Herausforderungen sind jetzt natürlich nach der Migrationskrise, insbesondere nach den Ampeljahren, neue Politik zu formulieren. Die zehn Jahre mit den Grünen sind ja zehn erfolgreiche Jahre gewesen, aber jede Zeit hat ihre Herausforderungen und wir sind der Auffassung gewesen, diese Herausforderungen mit der Sozialdemokratie besser lösen zu können.“
Die Ex und die Neue gratulieren trotzdem gemeinsam. So ein 80ster verbindet.
Wie christlich und demokratisch sich Deutschland in den nächsten 80 Jahren entwickelt, weiß hier niemand. Die Union kündigt jedenfalls eine „gute neue Zeit“ an. Man sei die „progressiv-konservative Kraft“. Widersprüche aushalten – wohl seit jeher die Aufgabe einer Volkspartei