Aktionswoche der unabhängigen Buchhandlungen
Die kleine Buchhandlung ums Eck, Ruhe und Zeit zum Stöbern und eine individuelle Beratung – was in der Tat romantisch klingt, erfordert aber dennoch ein stabiles wirtschaftliches Fundament, um Überleben zu können. Und genau darum geht es in dieser Woche – in der Woche der „unabhängigen Buchhandlungen“. Damit wollen inhabergeführte Buchläden auf sich aufmerksam machen. Das ganze mit Veranstaltungen und Aktionen – wie zum Beispiel dem „Buchhändler für einen Tag“ – in der Bücherbank im hessischen Bad Camberg.
Königsdisziplin Geschenke einpacken. Henni Nachtsheim ist eigentlich Autor und Teil des Komikerduos Badesalz, zur Abwechslung aber springt er in die Rolle des Buchhändlers. Doch ausgerechnet heute sind die Kundenwünsche so unhandlich und sperrig.
Henni Nachtsheim, Autor
„Wir haben, glaube ich, zehn Meter Papier gebraucht. Waren zu sechst, haben wir diesen Kalender eingepackt. Und dann habe ich vor allem begriffen, dass das Kundengespräch durch nichts zu bezahlen ist. Also das ist einfach der Unterschied zu online.“
Das persönliche Gespräch, die professionelle Beratung – das schätzen auch die Kunden der Bücherbank in Bad Camberg.
Inge Thrie
„Da weiß man, was liest derjenige gerne. Oder man weiß, die Neuerscheinung ist was für dich. Ich finde, das ist eine ganz persönliche Basis. Gerade in so einer Stadt wie hier, die nicht so riesengroß ist, ist eine Buchhandlung wie diese ein riesiger Gewinn.“Pauline Leinbach
„Ich stöbere halt, gucke mir die Buchrücken durch.“Diana Marksteiner
„Man kann hier genauso bestellen und es auch am nächsten Tag abholen. Das ist ja das Gleiche, wie wenn ich es irgendwo im Internet bestelle, dann mach ich das lieber hier, bin hier. Man sieht vielleicht noch einmal etwas anderes, was man dann dazu kauft.“
Durch zufälliges Stöbern, Schlendern, Schauen. Doch die Zahl der Buchgeschäfte geht deutschlandweit zurück. Das Statistische Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden verzeichnet in den Jahren 2018 bis 2023 einen Rückgang von knapp 25 Prozent. Nicht berücksichtigt ist dabei allerdings, ob unabhängige Buchgeschäfte von Ketten aufgekauft werden. Doch genau den kleinen, inhabergeführten Buchhandlungen fällt es immer schwerer, vernünftig zu wirtschaften.
Daniel Ott, Buchhändler
„Jeder zweite Tag ist die Aussage, es ist wunderbar. Es war alles richtig. Es ist unser Traumjob. Und besser geht’s nicht. Und an jedem anderen zweiten Tag sagen wir, hätten wir es bloß nicht gemacht.“
Die Gründe dafür sind vielfältig, sagt Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Thomas Koch, Börsenverein des Deutschen Buchhandels
„Seit Corona ist die Verödung der Innenstädte noch stärker geworden. Die Mietpreise sind extrem gestiegen, sodass sich eben ganz viele Buchhandlungen nicht mehr leisten können. Und der Kostendruck ist auch hoch. Energiepreise sind hoch. Personalkosten. Und Buchhandlungen, gerade die kleinen, haben ein ganz dünnes Finanzpolster. Und das ist eben schnell aufgebraucht, wenn dann überall die Preise steigen.“
Anders als in anderen Branchen haben Buchhändler nicht die Möglichkeit, einfach ihre Preise anzupassen. Denn die Buchpreisbindung schreibt vor, dass deutschlandweit jedes Buch gleich viel kostet. Buchhändler Daniel Ott sieht das aber als Vorteil.
Daniel Ott, Buchhändler
„Viele kennen das, Konsumenten, man denkt dann schon, der große Onlinehändler, der hat generell den besten Preis. Das ist eben bei Büchern definitiv nicht der Fall. Man hat da den gleichen Preis. Und das ist dann auch egal, wo Sie das Buch erwerben.“


