Zu Gast im Studio: Dr. Carola Weber, Leiterin Kinderpalliativteam Mainz

Das ambulante Kinderpalliativteam steht vor dem Aus.

Markus Appelmann, Moderator
Wir sprechen jetzt darüber mit der Leiterin, Dr. Carola Weber. Guten Abend.
Dr. Carola Weber, Leiterin:
Guten Abend. Vielen Dank für die Einladung.
Appelmann:
Frau Weber, was machen denn die betroffenen Kinder, was machen die Eltern, wenn es dieses Palliativteam nicht mehr gibt?
Weber:
Also natürlich kommen große Einschränkungen auf die Eltern hinzu. Aber man muss sagen, die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, was wir ja machen, ist sozusagen ein Add-on zur Regelversorgung. Das heißt, die Kolleginnen in den Kliniken, in den Fachpraxen, auch in den Spezialambulanzen, die werden sich natürlich weiter um diese Kinder kümmern. Aber was natürlich nicht mehr so einfach umsetzbar ist, wenn nachts ein Problem ist, dass jemand nach Hause kommt oder auch die ganzen Besuche am Wochenende, wenn mal einer notwendig ist. Das fällt natürlich weg. Wenn die Eltern da wieder ein Problem haben, müssen sie dann in die Klinik. Und das ist natürlich für eine Familie eine schwierige Situation.
Appelmann:
Sie schenken ja gerade den schwerstkranken Kindern und den Eltern Lebensqualität, indem sie zu Hause pflegen, dass sie in den eigenen vier Wänden bleiben können.
Weber:
Genau das ist ja unser Motto auch, das selbstständige Leben im eigenen Zuhause. Und da hat die Mutter ja in dem Beitrag auch darauf hingewiesen, dass sie eben davon ausgeht, dass das Kind dann nicht mehr so viel Lebensqualität hat. Und gerade in der Kinder-Palliativmedizin, aber generell auch in der Palliativmedizin geht es ja um Leben und Lebensqualität. Und das versuchen wir den Eltern zu schenken. Wir versuchen ihnen zu vermitteln, ihr Kind gut zu lesen. Versuchen sie zu schulen, die Fragen zu beantworten, die sind, damit sie gute Entscheidungen auch für Ihr Kind treffen können.
Appelmann:
Jetzt hat es aber seit der Ausstrahlung unseres Beitrags vor ungefähr drei Wochen ein bisschen was getan. Einige Bewerbungen sind bei Ihnen eingetrudelt. Wie ist denn da der Stand der Dinge?
Weber:
Ja, das ist richtig. Es gab Interesse, das kann man ganz klar so sagen. Wir haben auch gestern unsere erste Zusage gekriegt. Das hat uns sehr gefreut. Man muss auch sagen, dass viele, die kommen, natürlich auch eine ganz andere Vorstellung haben, dann feststellen: “Oh, ich bin alleinerziehend, ich habe vielleicht selber Kinder, ich kann da nachts nicht einfach so rausfahren.”
Appelmann:
Es ist eine Rufbereitschaft rund um die Uhr am Ende
Weber:
Genau. Oder eben auch: “Das ist für mich emotional sehr belastend. Das passt nicht in meine Lebenssituation.” Das sind eben so Umstände, die dann auch Leute quasi dazu bringen, eben nicht bei uns dann mit anzufangen.
Appelmann:
Jetzt können sich Interessierte immer noch bewerben unter mainzer-hospiz.de. Die Adresse haben wir gerade mal eingeblendet für Sie. Aber die Zeit, die läuft gegen Sie. Es sind noch wenige Wochen.
Weber:
Wir haben einfach das Problem, dass wir im Januar jetzt glücklicherweise zwei Pflegekräfte haben, wovon einer aber noch komplett neu eingearbeitet werden muss. Und das ist einfach unterm Strich zu wenig. Und daher hoffen wir einfach noch auf mehr Interesse und vielleicht auch noch einen Ticken früher.
Appelmann:
Wir drücken Ihnen die Daumen und wir bleiben an dieser Geschichte dran. Alles Gute für Sie, Dr. Carola Weber.
Weber:
Vielen Dank.