Ermittler heben Betrüger-Netzwerk aus

Die Dimension dieses Falls lässt selbst erfahrene Ermittler mit dem Kopf schütteln: Bei internationalen Razzien ist laut Bundeskriminalamt in Wiesbaden ein Schlag gegen mutmaßliche Online-Betrüger gelungen. Der Ursprung der fünfjährigen internationalen Ermittlungen liegt im rheinland-pfälzischen Montabaur im Westerwald.

18 mutmaßliche Betrüger im In- und Ausland konnten gestern verhaftet werden. 60 Objekte sind durchsucht worden. Es geht um ein weltweit agierendes verbrecherisches Netzwerk, das unter anderem in Deutschland, Kanada, den USA und Singapur Kreditkartendaten missbräuchlich verwendet haben soll. Es geht um einen Schaden von über 300 Millionen Euro.
Martina Link, Vizepräsidentin des Bundeskriminalamts
„Sie haben diese Kreditkarten. Die Größenordnung sind ungefähr 4,3 Millionen aus 193 Ländern, vermutlich über Datenleaks oder Phishing-Attacken erlangt. Sie haben dann gleichzeitig ein Netzwerk aufgebaut aus Scheinfirmen, insgesamt über 500 Scheinfirmen, über die sie wiederum online Websides betrieben haben. Wir haben mehr als 2000 Websides festgestellt. Über diese Websides wurden mehr als 19 Millionen Fake-Online-Abonnements abgeschlossen. Und die Abbuchung dieser angeblichen Abonnements erfolgte dann über die illegal erlangten Kreditkarten.“
Die Gelder sollen über eine Vielzahl von Bankkonten in Deutschland und im Ausland geleitet worden sein. Die abgebuchten Beträge für meist angebliche Dating- oder Streamingangebote sollen  bewusst klein gewesen sein. Zum Beispiel 50 Euro oder 50 Dollar, damit die Kreditkarteninhaber nicht sofort Verdacht schöpfen.
Susanne Schüler, Generalstaatsanwaltschaft Koblenz
„Die geschädigten Kreditkarteninhaber konnten auf ihren Kreditkartenabrechnungen nicht die Internetseite seien, die sie vermeintlich in Anspruch genommen haben. Sondern eine Art kryptischen Verwendungszweck, den man Deskrypto nennt, und der hat keinen Rückschluss darauf zugelassen, welche Internetseite in Anspruch genommen werden sollte.“
Laut Generalstaatsanwaltschaft Koblenz liegt der Ursprung der internationalen Ermittlungen in Montabaur. Dort soll ein Beschuldigter seinen Wohnsitz haben, oder eine Firma. Die internationalen Ermittlungen dauerten 5 Jahre. Es geht um mutmaßlichen Online- und Kreditkartenbetrug zwischen  den Jahren 2016 und 2021.
Martina Link, Vizepräsidentin des Bundeskriminalamts
„Es laufen noch Verfahren, wir haben insgesamt 29 Haftbefehle, 18 konnten bislang vollstreckt werden, 18 laufen noch und wir sind zuversichtlich, zumindest einen Teil umsetzen zu können. Ob das bei allen gelingt, das wird sich noch zeigen, weil es in Teilen auch Staaten betrifft, bei denen die Kooperation nicht so eng ist.“
Bei der internationalen Razzia waren insgesamt 250 Einsatzkräfte des BKA, der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und weiterer Behörden beteiligt. Die Ermittler konnten einen Millionenbetrug vom Westerwald bis nach Nordkorea aufdecken.