E-Roller werden für Blinde zum Hindernis
Seit 2019 prägen sie das Bild in vielen größeren Städten – die E-Roller. Für die einen sind sie ein praktisches Fortbewegungsmittel, für andere ein echtes Ärgernis. Besonders Menschen mit Sehbehinderung geraten durch achtlos abgestellte E-Roller immer wieder in gefährliche Situationen. Wir zeigen, was sich in den Innenstädten getan hat und wie die aktuelle Lage für Blinde ist.
Karl Matthias Schäfer, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen
„Ich war mit dem Stock auf der Seite und bin dann tatsächlich mit dem Fuß hier drunter. Daran sieht man jetzt, dass wir nicht übertreiben. Wäre ich jetzt nicht so fit, wäre die Gefahr bestanden, dass ich jetzt mich gerade so darüber lege.“
Situationen wie diese hat Karl Matthias Schäfer schon häufiger erlebt. Seit 20 Jahren läuft er denselben Weg zur Arbeit – zehn Minuten von der Haltestelle bis ins Büro. Mit den Jahren stehen immer mehr E-Roller im Weg – oft achtlos abgestellt. Von einem Sturz hat der 58-jährige eine Narbe am Bein. Was ihn besonders ärgert: Es tut sich immer noch zu wenig.
Karl Matthias Schäfer, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen
„Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, warum. Man erkennt die Gefahr. Man hat auch wahrgenommen, dass die Verletzungszahlen steigen. Für mich ist es völlig unverständlich, dass man einfach auf so was nicht reagiert.“
Karl Matthias Schäfer ist seit seiner Geburt blind. Mit dem Blindenstock ist er sicher unterwegs. Doch E-Roller können trotzdem immer zur Gefahr werden – vor allem wegen ihrer starren Bauweise.
Karl Matthias Schäfer, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen
„Peng – dann habe ich ihn praktisch genau hier im Ellenbogen. Wenn man halt richtig blöd kommt, dann kann man sich hier richtig aushebeln und dann auch stürzen.“
In vielen Innenstädten sollen feste Stellplätze für Ordnung sorgen. Doch weil die Parkzonen oft überfüllt sind, stehen trotzdem viele Roller auf dem Gehweg.
Die E-Roller-Anbieter nehmen die Nutzer in die Pflicht. Nicht die Scooter seien das Problem, sondern ihr Umgang damit. Trotzdem versuche man blinden Menschen durch technische Lösungen zu unterstützen – beispielsweise mit einer App.
Bolt, E-Scooter-Anbieter
„Wenn sich eine Person mit aktivierter LOC.id-App einem Bolt-Fahrzeug nähert, erhält sie automatisch eine Vibrationswarnung auf dem Smartphone, während der E-Scooter selbst einen akustischen Warnton abspielt, der mit zunehmender Nähe intensiver wird.“
In der Realität sieht das oft anders aus. Auf unserem Weg durch die Stadt bleibt die App still – kein einziger Alarm. Für viele blinde Menschen ist die Technik außerdem keine echte Hilfe: Denn nicht alle sind sicher im Umgang mit dem Smartphone. Von der Stadt Frankfurt wünscht sich Karl Matthias Schäfer strengere Regeln für die E-Roller-Betreiber – und spürbare Konsequenzen, wenn Vorschriften nicht eingehalten werden Auch der Stadt Frankfurt sind die Probleme bekannt. Aber:
Dorothee Allekotte, Straßenverkehrsamt Frankfurt
„ Das ist wie überall: Kontrolle ist halt schwierig. Grundsätzlich kann man die Auflagen der Sondernutzung kontrollieren, überwachen und dann auch entsprechende Bußgelder verteilen, aber im Moment sind so viele Sondernutzungen, die kontrolliert werden müssen, dass wir da einfach gar nicht hinterherkommen.“


