Was wird aus dem Zölibat?
Gerade in der katholischen Kirche in Deutschland wird immer wieder über eine Frage diskutiert: Ist der Pflicht-Zölibat noch zeitgemäß? Er gilt – neben der Priesterweihe für Frauen und dem Umgang mit homosexuellen Menschen – als eines der großen Streitthemen innerhalb der katholischen Kirche. Themen mit denen sich auch der sogenannte Synodale Weg – also das Reformprojekt der Kirche – seit Jahren schon beschäftigt. Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat sich jetzt ganz klar positioniert. Er fordert, dass Priester nicht mehr zwingend ehelos leben müssen.
So offen hat sich bislang selten ein ranghoher deutscher Geistlicher geäußert. Karl-Heinz Wiesemann sagt: Ein katholischer Priester solle auch dann Priester bleiben können, wenn er heiratet. Der Pflicht-Zölibat solle keine Bedingung mehr für den Priesterberuf sein. Der Speyerer Bischof ist überzeugt: So könnten mehr potentielle Priester gefunden werden.
Denn Fakt ist: Die katholische Kirche in Deutschland kämpft nicht nur damit, dass sie immer weniger Mitglieder hat, sondern auch damit, dass immer weniger Männer Priester werden wollen.
Auf der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda in der vergangenen Woche stand das Thema Zölibat zwar offiziell nicht auf der Tagesordnung, aber hinter den Kulissen wurde natürlich trotzdem über den Vorstoß des Speyerer Bischofs diskutiert.
In unserem Interview zum Abschluss der Bischofskonferenz sagt uns deren Vorsitzender, der Limburger Bischof Georg Bätzing, dass er wisse, dass sich viele Priester mit dem Zölibat sehr schwer tun würden.
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender Deutsche Bischofskonferenz, am 25.09.2025
„Wir könnten mehr Priester gewinnen, wenn wir die Möglichkeit Ehe und Priester sein auch miteinander verbinden. Das ist eine Diskussion, die sehr, sehr lange schon geht. Wo es auch schon Voten von Weltsynoden gegeben hat. Aber diese Entscheidung treffen wir nicht in einem Land.“
Einen deutschen Alleingang werde es nicht geben, so Bätzing in unserem Interview.
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender Deutsche Bischofskonferenz, am 25.09.2025
„Das können wir nicht und wollen wir auch nicht. Wir sind Teil der Weltkirche, der katholischen Weltkirche, das ist ein so großer Schatz und den setzen wir nicht aufs Spiel.“


