100 Jahre „neues Frankfurt“

1925 ist die Mainmetropole zu Deutschlands moderner Vorzeigestadt geworden. „Das neue Frankfurt“ war ein riesiges Stadtplanungs-Projekt. In nur fünf Jahren entstanden über 20 Siedlungen mit rund 12.000 Wohnungen. Verantwortlich dafür war der Stadtplaner Ernst May.

Innovative, zweckmäßige Flachdachbauten. Sie gehören vor 100 Jahren zu den modernsten Häusern, die es in Deutschland gibt. Viele sind auch heute noch bewohnt. Eines ist ein Musterhaus, das besichtigt werden kann. Benannt nach Ernst May. Dem Architekten und Stadtplaner des neuen Frankfurt.
Dr. Christina Treutlein, Geschäftsführerin der Ernst-May-Gesellschaft
„Das neue Frankfurt, das ist ein Städtebauprojekt, aber eigentlich viel mehr. Es ging darum, in einer neuen Zeit, ein neues Leben für die Menschen zu ermöglichen. Da hat Frankfurt, initiiert vom Oberbürgermeister Ludwig Landmann, ein großes Programm aufgesetzt, um Frankfurt zu einer der modernsten Metropolen im Südwesten des Landes zu entwickeln.“
Dazu gehören Badezimmer mit fließend Kalt und Warm Wasser in jeder Wohnung. In den 1920er Jahren noch eine Seltenheit. Genauso wie Steckdosen in jedem Raum und ganz berühmt: die Frankfurter Küche.
Dr. Christina Treutlein, Geschäftsführerin der Ernst-May-Gesellschaft
„Das Tolle an der Frankfurter Küche ist, dass sie auf kleinem Grundriss, ja die Arbeitsabläufe in der Küche ganz logisch angeordnet sind, sodass man nicht viel Platz braucht nicht viel Zeit und Energie aufwenden muss.“
Weltweit eine der ersten Einbauküchen. Im Ernst May Haus steht noch ein 100jähriges Original.
Dr. Christina Treutlein, Geschäftsführerin der Ernst-May-Gesellschaft
„An der Frankfurter Küche ist auch ein Bügelbrett an der Wand montiert. Weil ganz viele Leute noch ein schweres gusseisernes Bügeleisen hatten. Da ist man froh, wenn man das nicht durch die ganze Wohnung tragen muss, sondern an Ort und Stelle hat, nämlich hier am Herd, wo es aufgewärmt wurde, deswegen wurde in der Küche gebügelt. Dazu klappte man hier das Bügelbrett runter, zog hier die Teleskopstange aus, hat das hier drauf abgelegt.“
Zu jedem Einfamilienhaus gehört ein Garten. Die Miete kann sich nur die gehobene Mittelschicht leisten. Wer weniger verdient, lebt in Mietwohnungen, und pachtet sich einen Schrebergarten, direkt um die Ecke.
Dr. Christina Treutlein, Geschäftsführerin der Ernst-May-Gesellschaft
„Es war schon ziemlich modern, das neue Frankfurt. Also dass man in so modernen Häusern wohnte, mit Flachdach, komplett elektrifiziert war die Siedlung. Es gab Kindergärten, es wurde auch die soziale Infrastruktur mit angelegt in der Siedlung. Es wurde komplett das Leben durchdacht und eben mit dem Bezug zum Grün zur Natur, zum Freiraum, war ja auch so ein Stück weit Freizeit involviert in die Neuplanung der Stadt.“
Auch der komplett zur Selbstversorgung angelegte Schrebergarten ist heute ein Mustergarten, der besichtigt werden kann. Ernst May hat vor einhundert Jahren ein Baukonzept umgesetzt, dass auch heute noch modern ist und damals den Städtebau revolutionierte.