Fernwärme wird teurer

Wer mit Fernwärme heizt, dürfte schon bald unangenehme Post bekommen. Denn landauf, landab steigen die Preise. Und das mitunter sogar ganz erheblich. In Frankfurt hat der Energieversoger Mainova für Fernwärme bereits eine Preiserhöhung um bis zu 35 Prozent angekündigt. Auch in Offenbach müssen Fernwärme-Kunden ab nächstem Jahr tiefer in die Tasche greifen. Hauptgrund für den Preisanstieg: Die enormen Investitionskosten in die Energiewende.

Bei der Energieversorgung Offenbach tut sich gerade so einiges: Auf dem Hauptgelände der EVO fressen sich die Baggerschaufeln durch ein altes Kohlekraftwerk aus dem Jahr 1911. Das Gebäude wird komplett abgerissen – an gleicher Stelle soll schon bald eine neue Energiezentrale mit Wärmepumpen und Wärmetauschern entstehen. Und auch die Tage des deutlich jüngeren Kohlekraftwerks direkt nebenan sind gezählt. Denn spätestens im Jahr 2038 soll Schluss sein mit der Kohleverstromung – das hat die Bundesregierung so beschlossen. Für die EVO nur der erste Schritt auf dem Weg hin zu einem noch größeren Ziel.
Harald Hofmann, Energieversorgung Offenbach AG
„Wir wollen bis zum Jahr 2040 klimaneutral arbeiten als Energieversorgung Offenbach AG. Und investieren eine Summe, die sich alleine für die Wärmeerzeugung auf rund 200 Millionen Euro addiert.“
Eine gewaltige Summe. Die Kosten trägt der Verbraucher. Rund 40 Prozent der Haushalte in Offenbach und Umgebung heizen mit Fernwärme. Derzeit baut die EVO die Fernwärme-Versorgung in Stadt und Kreis komplett um – und setzt dabei vor allem auf mehr Effizienz. So soll etwa das Müllheizkraftwerk im Süden der Stadt künftig deutlich mehr Fernwärme liefern, ohne dabei mehr CO2 zu erzeugen – unter anderem durch eine bessere Nutzung der Abwärme an Schornstein und Turbinen. Auch die überschüssige Wärme von Rechenzentren soll schon bald verstärkt ins Offenbacher Fernwärmenetz fließen.
Harald Hofmann, Energieversorgung Offenbach AG
„Wie viele andere Energieversorger auch müssen wir wegen der erheblichen Investitionen in die Energieerzeugung auch die Preise erhöhen. Und zwar zum 1.10.26 um durchschnittlich knapp 20 Prozent. Das ist eine enorme Summe. Aber die Energiewende hat ihren Preis – und der muss gezahlt werden.“
Eine andere Möglichkeit, als die steigenden Fernwärmekosten an die Kunden weiterzugeben, gebe es nicht – wie sich der Preis mittel- und langfristig entwickle, stehe noch in den Sternen. Experten aber befürchten, dass die Energie-Preise sich immer weiter verteuern könnten. Und auch in Offenbach ist die 200 Millionen Investition nur der erste Schritt. Auf dem Weg zur Klimaneutralität kämen in den kommenden Jahren noch einmal mehrere Hundert Millionen Euro dazu – vor allem für den Ausbau des Hochspannungsnetzes. Ein teures Vergnügen also – und doch will die EVO an diesem Weg festhalten: Denn nichts sei für Energieversorger wichtiger als Planungssicherheit. Ein Ausstieg aus dem Kohleausstieg käme den Energieversorger und somit auch die Kunden inzwischen noch teurer zu stehen, weil es sämtliche Investitionen und Weichenstellungen der vergangenen Jahre auf einen Schlag zunichte machen würde.