Herbsttagung der Bischofskonferenz beendet

In den letzten Tagen haben sich die hochrangigsten Vertreter der katholischen Kirche in Fulda getroffen. Eines der größten Themen stand dabei gar nicht offiziell auf der Tagesordnung. Der Speyrer Bischof Wiesemann hatte kurz vor dem Treffen das Zölibat – die Ehelosigkeit – bei Priestern in Frage gestellt. Darüber sprechen wir gleich mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Limburger Bischof Bätzing – vorher die offiziellen Punkte der Bischofskonferenz.

Es sind keine einfachen Zeiten für die katholische Kirche in Deutschland. Intoleranz, Männerdominanz, eine Sexualmoral von gestern – all das sind Vorwürfe aus der Gesellschaft, mit denen sich die Bischöfe auch bei der diesjährigen Herbstkonferenz auseinandersetzen mussten. Dazu der Missbrauchsskandal und der Umgang mit den Opfern. Die Mitgliederzahlen gehen stetig zurück, dadurch bleibt weniger Geld für die Gemeindearbeit und kirchliche Einrichtungen wie etwa Kitas, Krankenhäuser und Pflegeheime. Sorgen bereitet der Versammlung auch die politische Polarisierung in der Gesellschaft. Dazu positioniert sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz deutlich.
Georg Bätzing, Vorsitzender Deutsche Bischofskonferenz
„Allen, die menschenfeindlich auftreten, die ausgrenzen, die Diskriminierung auf ihre Fahnen schreiben als legitimes politisches Ziel, müssen wir entgegentreten und werden es auch tun.“
Er spricht sich für eine Brandmauer zur AfD aus. Neben gesellschaftlichen und innenpolitischen Themen haben sich die Bischöfe auch zu weltpolitischen Krisen beraten und eine Erklärung bezüglich des Konflikts im Nahen Osten verfasst.
Georg Bätzing, Vorsitzender Deutsche Bischofskonferenz
„Wir fordern das Ende der militärischen Auseinandersetzung. Die Gewalt muss sofort enden. Und wir fordern Frieden für Israel und Palästina.“
Um das zu erreichen,  sei eine Zweistaatenlösung die einzige mögliche Lösung.
Eher im Hintergrund bleiben Themen wie das Zölibat. Das hat erst vor wenigen Tagen wieder öffentliche Aufmerksamkeit erregt, nachdem der Speyerer Bischof sich für eine Lockerung ausgesprochen hatte.
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Markus Appelmann, Moderator:
Und darüber wollen wir jetzt mit dem Bischof von Limburg und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz sprechen. Ich grüße Sie Bischof Georg Bätzing.
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender Deutsche Bischofskonferenz:
Hallo Herr Appelmann:
Appelmann:
Lassen Sie uns mit dem Thema starten, das Ihnen der Speyrer Bischof Wiesemann beschert hat. Es solle ein „Zölibat auf Zeit“ geben – und ein katholischer Priester solle auch dann Priester bleiben können, wenn er heiratet. Eine abgesegnete Antwort als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz können Sie mir da nicht geben – das ist klar – wie aber stehen Sie als Bischof dazu?
Bätzing:
Ja, die Zölibatsdiskussion dauert lange und wird immer wieder geführt. Wir haben Priestermangel in der katholischen Kirche und gleichzeitig haben wir verheiratete katholische Priester in unserem Land, etwa die katholischen Priester, die aus der Ukraine kommen. Also zeigt ja, es geht. Katholischer Priester zu sein und gleichzeitig eine Familie zu haben. Darüber wird viel diskutiert. Persönlich sage ich: Ich habe mich für die zölibatäre Lebensweise entschieden. Es ist die Lebensform Jesu und für mich ist das eine Form der Nachfolge Christi. Ich weiß aber, es gibt viele Priester, die tun sich sehr schwer damit. Und wir könnten mehr Priester gewinnen, wenn wir die Möglichkeit, Ehe und Priestersein auch miteinander verbinden. Das ist eine Diskussion, die sehr, sehr lange schon geht, wo es auch schon Voten von Weltsynoden gegeben hat. Aber die Entscheidung treffen wir nicht in einem Land.
Appelmann:
Aber genau das hat ja Bischof Wiesemann aus Speyer  gefordert, dass Deutschland in dieser Frage einen eigenen Weg gehen könnte. Dass also das Zölibat für Priester nur in Deutschland abgeschafft werden könnte. Diese Forderung wollen Sie also nicht weiter verfolgen – höre ich raus…
Bätzing:
Das habe ich eigentlich schon beantwortet. Nein, das können wir nicht und wollen wir auch nicht. Wir sind Teil der Weltkirche, der katholischen Weltkirche. Das ist ein so großer Schatz, und den setzen wir nicht aufs Spiel.
Appelmann:
Papst Leo hat jüngst in einem Interview klargemacht: Die Lehre der Kirche werde sich nicht ändern. Hat er damit nicht dem Reformwillen der katholischen Kirche in Deutschland eine Absage erteilt? Bleiben damit nicht wichtige Ämter für Frauen weiter tabu?
Bätzing:
Ja, er hat genau gesagt: “Ich möchte die Lehre der Kirche in der Situation, in dieser Zeit, im Jetzt nicht ändern”. Das heißt, er setzt auf das, was er ja auch ganz stark macht, nämlich die Synodalität. Wir sind da gerade dabei, als Weltkirche eine neue Form des Miteinanders, der Partizipation, der Beteiligung von Gläubigen an Richtungsentscheidungen in der Kirche zu leben. Und ich glaube, der Papst setzt auf diese Formen, und die werden erst wachsen müssen. Wir haben in unserem Land eine lange Tradition einer solchen synodalen Entscheidungskultur in der Kirche und haben Vorschläge gemacht, wie wir das sehen, etwa mit der Frage: Können Frauen zum Diakonat zugelassen werden? Wie ist das mit der Frage Priesteramt und Ehe? Wir haben unsere Ideen dazu zusammengetragen, aber nicht als Forderungen an die Weltkirche, sondern als Beitrag zur Diskussion. Aber das Wichtige ist: Der Papst hat nicht gesagt: “Für immer beendet”, sondern gerade im Blick auf die Frage vom Diakonat der Frau – die Frage ist offen. Sie liegt auf dem Tisch. Dann ist auch Veränderung möglich.
Appelmann:
Nach 4 Tagen ist heute die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda zu Ende gegangen. Danke Bischof Georg Bätzing.
Bätzing:
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse.