Forschungszentrum Globaler Islam schließt
Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter polarisiert. Sie scheut sich nicht, öffentlich vor Gefahren wie ungesteuerter Migration, zunehmender islamistischer Radikalisierung und dem Einfluss erzkonservativer Religionsgemeinschaften hierzulande zu warnen. An der Uni Frankfurt hat sie über zehn Jahre lang das Forschungszentrum Globaler Islam aufgebaut und geleitet. Jetzt wirft sie das Handtuch.
Susanne Schröters Bücherregal ist gut gefüllt – mit Publikationen, auch eigenen, zu den Veränderungen in der islamischen Welt, zwischen liberalen und extremistischen Strömungen. Seit 2008 war sie hier an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt als Professorin für Ethnologie tätig. 2014 hat sie das Forschungszentrum Globaler Islam gegründet. Nun heißt es für sie: Kisten packen, Büro räumen. In wenigen Tagen endet ihre Forschungsprofessur – und damit auch ihr Forschungszentrum.
Susanne Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam
„Natürlich hängt viel Herzblut dran. Und ich habe hier viel gearbeitet, habe viele junge Menschen aus allen Ländern zur Promotion geführt, erfolgreich. Und wir haben hier tolle Forschung gemacht. Eine irrsinnig gute Außenwirkung erzielt. Aber mit der Zeit bin ich immer mehr unter den Beschuss von Personen, also, sowohl Kollegen, als auch Studenten, als auch Aktivisten gekommen, die aus dem, ich sage mal, woke-linken Spektrum kommen. Denen es nicht gefallen hat, dass ich über Islamismus arbeite, dass ich auch migrationskritisch bin.“
Es sind ihre wiederholt kritischen Äußerungen etwa zu den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht, zum Tragen des Kopftuchs, zur Migrationspolitik, die ihr den Vorwurf des Rassismus, Anfeindungen und regelrechte Rufmordkampagnen einbringen. Diesem Klima wolle sie weder sich selbst noch ihre Mitarbeiter länger aussetzen, zumal ihre Forschungsarbeit deutlich erschwert worden sei. Kritische Islamforschung, so ihr Eindruck, sei nicht länger gewünscht.
Susanne Schröter, Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam
„Wir haben Tabuthemen an Universitäten in Deutschland, haben wir auch in anderen europäischen Ländern, das hatten wir auch in den USA. Und das ist fatal. Das ist fatal, A, weil Wissenschaft die Aufgabe hat, auch substanzielle Daten zu liefern. Auch zu wichtigen Themen der Gegenwart. Mit einer empirischen und auch historischen Tiefe versehen. Das kann nur Wissenschaft. Und das nicht zu tun, heißt einfach, dass auch eine öffentliche Debatte verarmt.“


