Wie wahrscheinlich ist ein Vulkanausbruch in der Eifel?

Vulkanausbrüche kennen wir eigentlich nur aus Indonesien, Hawaii oder auch aus dem Süden Europas. Doch auch hier bei uns in Rheinland-Pfalz brodelt es noch ganz tief unter der Erde. Genauer, in der Eifel. Sie zieht als Urlaubs- und Wanderregion jedes Jahr hunderttausende Besucher an. Ein Vulkanexperte sagt: Sollte ein Vulkan in der Eifel ausbrechen – wir wären auf jeden Fall überhaupt nicht darauf vorbereitet!

Anflug auf den Laacher See in der östlichen Vulkaneifel, den größten See in Rheinland-Pfalz. Er ist nach einem Vulkanausbruch vor über 11.000 Jahren entstanden, als der Krater mit Wasser voll lief. Heute ein Landschafts-Idyll und beliebtes Ausflugsziel. Doch hier tut sich immer noch was! Im Uferbereich blubbern Gasblasen an die Oberfläche, deutliches Zeichen des nach wie vor andauernden Vulkanismus in der Eifel. Irgendwann wird es in der Region wieder einen Vulkanausbruch geben, da sind sich Geologen sicher. Einer von ihnen ist Vulkanismus-Experte Professor Ulrich Schreiber. Er beobachtet die Veränderungen von Gasaustritten und Bodenbewegungen in der Eifel sehr genau.
Prof. Ulrich Schreiber, Geologe
„Wir haben natürlich die Mess-Stationen, die uns aufzeigen, wie die Erdbeben aussehen in der Tiefe und auch in den oberflächennahen Bereichen. Diese Erdbeben können sich aber relativ schnell anders entwickeln. Das kennen wir ja, Erdbeben können wir nicht vorhersagen, wann sie stattfinden und in welcher Größe sie stattfinden. Aber es ist ein erstes Zeichen, wo man sagt: Hier verändert sich was! Und damit kann eine mögliche Magmen-Bewegung aus dem Untergrund gekoppelt sein.“
Gewaltige Lava-Ströme hatten sich in der Vorzeit von den Vulkan-Gipfeln ins Tal ergossen. Heute noch gut zu erkennen: Riesige Blöcke von Basalt-Lava, die schon die alten Römer als Baustoff nutzten. Auf den verschlungenen Wegen erkennt man im Gestein noch gut die Fluss-Richtung – hinunter ins Rheintal. Hier unterhalb der Hohen Buche bei Andernach hatte der Lavastrom sogar den Rhein erreicht. Ein Szenario, das genau so wieder passieren könnte. Und die Vulkankegel in der Eifel als ‚schlafende Riesen‘ irgendwann wieder zum Leben erwachen.
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Markus Appelmann, Moderator:
Wenn dies auch noch lange dauern könnte – so wollen wir dennoch über die mögliche Gefahr sprechen. Mit dem Geologen und Vulkanismus-Experten Professor Ulrich Schreiber, Ich grüße Sie.
Prof. Ulrich Schreiber, Geologe:
Guten Tag.
Appelmann:
Herr Schreiber, Sie warnen vor einem Vulkanausbruch in der Eifel. Zunächst mal: für wie wahrscheinlich halten Sie das und von welchem Zeitrahmen reden wir da? Der letzte Ausbruch, der war  doch vor immerhin mehr als 11.000 Jahren!
Schreiber:
Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass es wieder einen Vulkanausbruch gibt in der Eifel. Aber wir wissen natürlich nicht, ob es Wochen, Monate oder Jahre dauert, bis dieser Vulkan wieder ausbricht. Das ist etwas, was wir nicht sagen können.
Appelmann:
Sollte tatsächlich ein Ausbruch passieren, auf welche Szenarien müsste man sich denn hier in Rheinland-Pfalz und Hessen einstellen im schlimmsten Fall?
Schreiber:
Also im schlimmsten Fall wäre natürlich zu sehen, dass wir Ortschaften haben. Diese Ortschaften wären dann von dem Vulkan direkt betroffen. Koblenz wäre so eine größere Angelegenheit. Wenn es im Wald oder auf den Feldern passiert, ist das eine überschaubare Sache. Aber der größte, von mir aus “GAU” genannt, wäre, dass der Rhein verstopft wird durch einen sehr starken Vulkanausbruch. Und dieser Rhein würde dann nach der Aufstauung natürlich bis in den Oberrheingraben hin Wasser in einer Höhe führen, wo alles überflutet ist.
Appelmann:
Der ein oder andere könnte Ihnen da jetzt womöglich Panikmache vorwerfen,  aber sagen Sie mal: Worauf begründen sich denn ihre Erkenntnisse wissenschaftlich? Ist es nicht so, dass in der Eifel mit einem ganzen Netzwerk von Mess-Sensoren quasi in die Tiefe gehorcht wird und alle Messungen zeigen an: Alles soweit ruhig, kein Grund zur Sorge?
Schreiber:
Ja, also mit der Panikmache ist das immer so eine Aussage. Wenn ich als Feuerwehrmann in ein Hochhaus gehe und sage: “Wir müssen den Brandschutz überarbeiten und schauen mal nach, wo was hakt”, dann würde jeder sagen: “Prima, dass ihr kommt und das macht” und würde keiner in Panik verfallen. Aber auf der anderen Seite ist eben dieses Szenario relativ ungewöhnlich. Sehr fiktiv. Und wir haben natürlich als Vulkanologen, Geologen Informationen aus den Messstationen in der Eifel. Wir sehen das Beben in bestimmten Bereichen stattfinden und wir sehen, dass Gase bestimmte Zusammensetzungen haben, sodass wir langfristig gesehen eigentlich eine Überwachungsmöglichkeit haben. Und das ist etwas, was wir natürlich forcieren müssen, weil die Chance immer noch da ist, dass wieder ein Vulkan ausbricht.
Appelmann:
Sie sagen, wir sind nicht ausreichend bzw. überhaupt nicht auf eine solche Katastrophe vorbereitet. Wie müssten Behörden und Katastrophenschutz also konkret vorsorgen? Was empfehlen Sie?
Schreiber:
Also das Wichtigste ist, dass man dieses Szenario überhaupt erst mal kennt, dass man das durchdenkt und dass man entsprechend Katastrophenschutzpläne erarbeitet. Das heißt, wir müssen als erstes an die Menschen denken, dass sie gerettet werden können. Und dann müssen wir in der zweiten Stufe an die ganzen Werte denken, die vernichtet werden können durch eine absolute Überflutung. Angefangen von Daten bis hin zu Kunstschätzen usw. Das ist also eine wichtige Sache, die hier zu bedenken ist.
Appelmann:
… sagt der Geologe und Vulkanismus-Experte Professor Ulrich Schreiber. Vielen Dank für dieses Gespräch!
Schreiber:
Ich danke auch.