Diskussion über rheinland-pfälzische Pflegekammer
In der rheinland-pfälzischen Pflege rumort es gerade gewaltig. Grund ist die Landespflegekammer – also die Interessenvertretung aller Pflegefachkräfte. Immer mehr Pfleger sagen nun: „Die Pflegekammer muss weg!“
„Guten Tag, wie geht’s?“
Wie jeden Morgen bekommt diese 92-jährige Seniorin ihre Augentropfen. Eine gute pflegerische Versorgung ist wichtig, aber ein bisschen plaudern muss auch sein. Das tut schließlich dem Herzen gut. So gerne Sabrina Sossong ihren Job hier in Kell am See auch macht, sie liebäugelt mit Stellen im Nachbarbundesland.
Sabrina Sossong, Pflegefachkraft
„Es ist wirklich schon manches Mal die Überlegung wert gewesen, dass ich ins Saarland abwandere. Da komme ich auch her. Oder dass ich wirklich hingehe und für mich überlege, Luxemburg? Aber meinen Bewohnern fehlen dann wieder die Fachkräfte. Und meinen Kollegen fehlen die Fachkräfte wieder. Mein einziger Ansporn ist wirklich hier noch die Leute zu unterstützen.“
Denn im nahgelegenen Saarland gibt es eine Landespflegekammer in dieser Form nicht. Und somit keine Beitragsgebühren von durchschnittlich 140 Euro pro Jahr. Die Mitgliedschaft in der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz ist für die 40.000 Pflegekräfte im Land verpflichtend. Einen Mehrwert sehen viele aber nicht.
Michael Pauken, Einrichtungsleiter Seniorenzentrum Kell am See
„Die sind hauptsächlich damit beschäftigt, Mahnbescheide zu verschicken. Klagen vorzubereiten. Und die Leute zu drangsalieren. Also der Präsident der Pflegekammer war auch schon mal hier in der Einrichtung, weil wir Probleme mit Gewalt- und Demenzkranken hatten, er konnte uns nicht helfen. Und das ist auch so die Hauptkritik. Wenn wir für die 140 Euro vergünstigte Fortbildungen bekämen. Oder bei Problemen kommt jemand in die Einrichtung und hilft uns dann aber auch. Aber da kommt nichts.“
Eine Kritik, die Kai Boeddinghaus vom Bundesverband für freie Kammern in Kassel teilt. Sein Blick auf den Wirtschaftsplan der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz zeigt:
Kai Boeddinghaus, Geschäftsführer Bundesverband für freie Kammern e.V.
„Dass mindestens 80 Prozent, eher 85 bis 90 Prozent der ganzen Beiträge verschwinden in Bürokratiekosten. Das heißt, das Geld, was dann tatsächlich für das fachliche Weiterbringen aufgewendet wird, das ist verschwindend gering.“
Die Interessen der Pflegekräfte bündeln und in der Politik vertreten – so der Grundgedanke bei der Gründung der Kammer. Alexandra Schug hat sich damals gefreut: Endlich jemand, der für uns Lobbyarbeit macht. Eine wirkliche Veränderung sieht sie seitdem nicht. Und hat deshalb eine Petition zur Abschaffung der Landespflegekammer ins Leben gerufen.
Alexandra Schug, Leiterin Seniorenzentrum Baumholder
„Da denke ich, ist der Begriff Landespflegekammer Rheinland-Pfalz einfach durch. Da wird es kein gutes Gedankengut mehr mit geben. Und da, denke ich, muss komplett ein neuer Weg gesucht werden. Auch ein Austausch des Vorstandes, da sind die Strukturen so verfahren. Und insbesondere auch in den Köpfen der Pflegefachkräfte so verfahren, dass ich da keinen Ausweg mehr sehe.“


