Übung zur medizinischen Versorgung im Kriegsfall
Ist Deutschland ausreichend auf den Kriegsfall vorbereitet? Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, wird diese Frage bei uns intensiv diskutiert. Meistens mit Fokus auf die militärische Ausstattung der Bundeswehr oder den Wehrdienst. Aber wie kriegstüchtig ist eigentlich unser Gesundheitssystem? Könnten im Falle eines Krieges Verwundete und Zivilisten ausreichend versorgt werden? Auf einer Tagung im rheinland-pfälzischen Diez haben Militärs und Mediziner den Ernstfall geprobt.
Nahe der deutsch-polnischen Grenze wird eine NATO Marschkolonne von russischen Truppen angegriffen. Für die Verwundeten zählt jede Minute. Im Versorgungszelt der Bundeswehr verarzten Sanitäter Wunden und innere Blutungen. 5 Patienten können sie hier zeitgleich behandeln. Innerhalb von 30 Minuten ist es aufgebaut. Direkt nach der Not-OP wird der Verwundete wieder ausgeflogen und in ein Krankenhaus gebracht.
Heute nur eine Übung. Geprobt wird die Zusammenarbeit militärischer und ziviler Ärzte und Pfleger. Von besonderer Bedeutung, diejenigen die bereits eine militärische Grundausbildung haben – die sogenannte Reserve.
Dr. Sven Funke – Sanitätsregiment Bundeswehr Westerwald
„Der Anteil der Reserve ist von großer Bedeutung insbesondere für den Sanitätsdienst. Wir haben etwa 500 Reservedienstleistende in zwei Kompanien, eine in Rennerod und eine in Koblenz, die uns im Falle eines Falles verstärken würden und verstärken müssten. Das geht von Fachärzten über Fachkrankenpfleger und sonstiges medizinisches Hilfspersonal, dass dann diese Einrichtungen unter Umständen auch mit besetzt.“
Die fehlen dann aber im zivilen medizinischen Betrieb, wo sowieso schon Personalmangel herrscht. Wie die Zusammenarbeit von Militärs, zivilen Krankenhäusern und Apotheken im Kriegsfall ablaufen könnte, das diskutieren Vertreter auf dem Bundeswehrstützpunkt in Diez. Neben Vorträgen wird modernste Technik vorgestellt. So könnten auch autonom fliegende Drohnen zur Verwundeten-Versorgung an der Front eingesetzt werden. Der Vorteil: Schneller und billiger als Helikopter und ohne Besatzung können sie auch schwer umkämpfte Frontabschnitte erreichen.
Doch viel wichtiger als modernste Technik ist aus Sicht der Ärztekammer vor allem ein klarer Plan, wie im Kriegsfall die medizinische Versorgung organisiert wird.
Dr. Edgar Pinkowski – Präsident der Landesärztekammer Hessen
„Spätestens seit letzten Dienstag, als russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sind, sollte eigentlich jedem klar sein, dass wir eine Bedrohungslage haben und dass wir es nicht kalkulieren können, was noch weiter kommt. Und man muss da einfach vorbereitet sein. Es braucht gesetzliche Grundlagen. Und das muss man jetzt machen und nicht dann, wenn es gebraucht wird.“


