Catcalling – Verbale sexuelle Belästigung soll unter Strafe gestellt werden

Kennen Sie den Begriff Catcalling? Das steht für verbale sexuelle Belästigung, meist von Männern gegenüber Frauen. Also sexistische Kommentare oder anzügliche Gesten. Trauriger Alltag für Millionen Frauen und Mädchen und oftmals Ausgangspunkt für weitaus heftigere Fälle von Belästigung. Die SPD im Bund fordert nun, einen neuen Straftatbestand für verbale sexuelle Belästigung einzuführen. Bislang ist Catcalling NICHT strafbar. Ob sich das Problem allerdings so bekämpfen lässt, darüber ist nun eine Debatte bei uns entbrannt.

Eine Aktion in Mainz: Frauen haben sexistische Sprüche auf den Gehweg geschrieben, die sie fast jeden Tag zu hören bekommen. So drastisch, dass wir sie ihnen hier nicht zeigen wollen. 
Laut Umfragen haben 95 Prozent aller Frauen und Mädchen in Deutschland solche Aussagen schon zu hören bekommen. Eine von Ihnen ist die 26-Jährige Julia aus Mainz. Nachts auf ihrem Heimweg ruft ihr ein Mann einen über griffigen Spruch hinterher, rennt auf sie zu und versucht sie zu packen, erzählt sie uns. Sie kann fliehen. Nachts alleine nach Hause laufen, für sie seitdem ein großes Problem.
Julia (26), Betroffene von verbaler sexueller Belästigung
„Bis zu dem Zeitpunkt kam mir Mainz, wie ein sehr sicherer Ort vor und ich hatte nie Bedenken, deshalb habe ich das an dem Abend auch gemacht. Aber seitdem nie wieder. Wenn es eine kleine Strecke gab, dann hatte ich meine Schlüssel zwischen der Hand, hatte meinen Regenschirm dabei, damit ich einfach einen kleinen Sicherheitsfaktor neben mir hatte.“
Nach dem Vorfall schreibt sie Catcallsofmainz. Die Initiative will zeigen, wie verbreitet sexuelle Belästigung im Alltag ist. Mit Kreide schreiben sie Catcalls dort auf, wo sie passiert sind.
Marie (30), Projekt „Catcalls of Mainz“
„Wir wollen darauf aufmerksam machen und sagen hey genau das ist hier passiert und wir kreiden das an. Und wollen die Leute, die vorbeilaufen vielleicht zum Umdenken oder darüber Nachdenken anregen.“
Die Initiative hat mit dafür gesorgt, dass Catcalling immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Und auch die Politik diskutiert darüber. Die SPD im Bund fordert, Catcalling unter Strafe zu stellen. Auch die Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz hält das für notwendig.
Sabine BätzingLichtenthäler (SPD), Landesvorsitzende Rheinland-Pfalz
„Man kann das nicht einfach wegschweigen oder erdulden, sondern damit muss man sich auseinandersetzen und das Thema Straftatbestand ist eins davon. In anderen Ländern in Europa macht man es uns ja auch vor.“
In Portugal, Belgien oder Frankreich steht Catcalling bereits unter Strafe. In Spanien können sogar Haftstrafen von bis zu drei Jahren verhängt werden. Die rheinland-pfälzische CDU sieht die Einführung eines neuen Straftatbestandes eher kritisch.
Karina Wächter (CDU), Abgeordnete Landtag Rheinland-Pfalz
„Für uns ist aber vor allem entscheidend, wie es in der Praxis dann aussieht, dass man diese Regelungen auch umsetzen kann. Und auch ein neuer Straftatbestand führt leider nicht immer dazu, dass wir deswegen mehr Sicherheit haben und eben weniger Fälle.“
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat angekündigt eine Strafverschärfung zu prüfen.
Für Julia aus Mainz ist wichtig, dass überhaupt etwas passiert. Nicht nur politisch.
Julia (26), Betroffene von verbaler sexueller Belästigung
„Ich finde das Wichtigste ist wirklich seine Stimme zu nutzen, was zu sagen und der betroffenen Person zu helfen, nicht einfach tatenlos da rumzustehen, denn das macht auch für die Person, die betroffen ist, die Situation ein bisschen leichter, dass hilft unglaublich und man fühlt sich in der Situation einfach nicht ganz so hilflos und ausgeliefert.“
Ihr Appell an alle: Betroffenen helfen und sexistisches Verhalten hinterfragen.