Hessischer Friedenspreis geht an Kolumbianerin Jani Silva

Der hessische Friedenspreis wird an Personen vergeben, die sich besonders für Frieden und Völkerverständigung einsetzen – überall auf der Welt. Dieses Jahr geht er an die kolumbianische Umweltaktivistin Jani Silva. Sie setzt sich für die Kleinbauern im Amazonasgebiet Putumayo ein. Ihre Gegner: Drogenkartelle und internationale Großkonzerne, die das rohstoffreiche Land ausbeuten wollen. Mit ihrer Arbeit riskiert die 62-jährige tagtäglich ihr Leben.

„Ihre Stunden sind gezählt, sie werden sterben.“ Drohungen wie diese sind für Jani Silva Alltag. Viele ihrer Mitstreiter wurden ermordet. Auch ihr wurde bereits eine Waffe an den Kopf gehalten. Für Umweltaktivisten gilt Kolumbien als gefährlichstes Land der Welt. Eine der artenreichsten Regionen der Erde und reich an Bodenschätzen. Mächtige Großkonzerne und bewaffnete Drogenbanden zerstören mit ihren wirtschaflichen Interessen die Natur und die Lebensgrundlage der Menschen. Jani Silva gibt kämpft für deren Rechte. Dafür hat sie gestern den hessischen Friedenspreis erhalten.
Jani Silva, Trägerin Hessischer Friedenspreis: 
„Wenn man merkt, dass Menschen unterdrückt werden, dass es Ungerechtigkeiten gibt, dann regt sich etwas Rebellisches im Herzen, und man sagt sich: So darf das nicht sein. // Wenn es uns nicht gäbe, wenn wir nicht da wären – was wäre dann? Was würde aus unserem Land werden?“
Den Schülern der Liebigschule in Frankfurt erzählt sie heute von ihrer Heimat und der Situation vor Ort. Mit dem Anbau von Cocapflanzen erhofften sich viele Kleinbauern das große Geld. Aus dem Strauch wird Kokain hergestellt. Doch am Ende profitieren nur die Drogenkartelle. Jani Silva setzt sich dafür ein, den Kleinbauern eine Alternative zum Coca-Anbau zu bieten. Auch Morddrohungen können sie nicht davon abbringen. Den Schülern will sie heute mitgeben, wie wichtig es ist, Mutter Erde zu schützen und ganz besonders ihre grüne Lunge, die Amazonasregion.
Jani Silva, Umweltaktivistin aus Kolumbien: 
„Ich denke vor allem, dass die Lösung vieler Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind, in den Händen der jungen Menschen liegt. Sie haben die Zeit, die Jugend, die Energie und die Kraft. Deshalb glaube ich, dass in ihnen die Lösung liegt.“
Nikolina, 14 Jahre, 9. Klasse: 
„Es war einerseits eine große Ehre und andererseits hat man das dann nochmal im persönlichen Gespräch viel näher erlebt, was sie erlebt hat, anstatt einfach auf dem Papier zu lesen oder auf dem Handy.“
Jakob, 16 Jahre: 
„Also was mir nicht so klar war, war wie gefährlich das eigentlich ist in Kolumbien oder generell Südamerika, sich für Bauern oder ärmere Menschen einzusetzen.“
Luis, 17 Jahre, 12. Klasse: 
„Wenn wir die Umwelt nicht schützen, dann stirbt die Menschheit aus meiner Meinung nach, früher oder später. Und sie schützt die Umwelt, das heißt, sie rettet Menschen. Sie rettet Menschenleben indirekt und auch direkt.“
Jani Silvas Einsatz seit nun mehr als 40 Jahren ehrt das Land Hessen mit einem Preisgeld von 25.000 Euro.
Astrid Wallmann, CDU, Landtagspräsidentin Hessen:
„Uns ist natürlich immer wichtig, in jedem Jahr auch besondere Persönlichkeiten herauszugreifen und damit auch in den Mittelpunkt zu stellen, dass sie auch Unterstützung erfährt und natürlich auch Aufmerksamkeit bekommt. Das ist vielleicht ein Engagement, das vielleicht nicht jeder sofort kennt oder darüber Kenntnis hat und das erfolgt natürlich mit dieser Preisverleihung.“
Eines hat Jani Silva mit allen vorhergehenden Preisträgern gemeinsam: Mit ihrem Einsatz schenkt sie Hoffnung.