Autobahn ins Nichts – Auf A1 fehlen 25 Kilometer

Die A1 ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Deutschlands. Von Saarbrücken aus führt die Autobahn über Trier, Köln und das Ruhrgebiet bis hoch an die Ostsee. Oder besser gesagt sollte das eigentlich so sein: Denn zwischen dem rheinland-pfälzischen Ort Dreis-Brück und Tondorf in Nordrhein-Westfalen fehlt seit jeher ein kleines Stück der A1. Seit etwa 50 Jahren wird in der Eifel schon über einen möglichen Lückenschluss diskutiert – Unternehmer und Anwohner sind sauer, dass seit Jahrzehnten nichts passiert.

Sebastian Minninger von der Spedition Ludwig ist genervt. Wenn er vom Firmenstandort in Dreis-Brück nach Köln, Dortmund oder Essen fahren will, muss er sich durch zahlreiche kleine Dörfer in der Vulkaneifel quälen. Und weil es täglich Tausenden von Auto- und Lastwagenfahrern nicht anders geht, kann es dabei auch schon mal eng und gefährlich werden: So wie hier in Oberehe.
Sebastian Minninger, Fuhrparkleiter Spedition Ludwig
„Es ist anstrengend. Sowieso – der Tag ist schon anstrengend. Und dann kommen die Nadelöhre oft noch am Schluss oder am Anfang, wo man wirklich dann auch gestresst ist, genervt ist, Zeitdruck hat, Termindruck hat. Und wie man ja gesehen hat: Man steht teilweise minutenlang.“
Etwa eine Stunde dauert die anstrengende Fahrt über die Dörfer. Wäre die Lücke der A1 geschlossen, wäre das Ziel bequem in etwa 15 Minuten zu erreichen.
Iris Ludwig, Spedition Ludwig
„Ungefähr 70 Prozent unserer Lieferungen gehen nach Nordrhein-Westfalen. Und das heißt für uns, dass unsere Fahrer viele Umwege in Kauf nehmen müssen. Das kostet so 30 bis 45 Minuten mehr Zeit. Mehr CO2. Und sie können sich die Kosten vorstellen, die da noch on Top drauf kommen.“
Ein klarer Wettbewerbsnachteil – und doch bei weitem nicht das einzige Problem des fehlenden Lückenschlusses. Auch die Anwohner an der Ausweichstrecke brauchen starke Nerven, so wie hier im Ortsteil Brück: Bis zu eine Million Fahrzeuge im Jahr quetschen sich durch die Dreihundert-Seelen-Gemeinde. Und es werden immer mehr.
Thomas Jaax, Anwohner
„Es ist inzwischen unerträglich geworden. Wir haben kaum noch ruhige Minuten. Die Zahlen der Autos haben immens zugenommen. Wir haben ein Hupkonzert und eine Schlangenbildung vom Anfang des Ortes bis zum Ende des Ortes.“
Und das wohlgemerkt auf einer Kreisstraße und nicht auf einer Bundesstraße: Deshalb haben sich die Menschen in Dreis-Brück inzwischen zu einer Bürgerinitiative „pro Lückenschluss“ zusammengetan. Bislang scheitert der Weiterbau der A1 vor allem aus Umwelt- und Landschaftsschutzgründen: Der BUND will den Lückenschluss per Klage verhindern, weil im geplanten Trassenverlauf Haselhühner und weitere stark gefährdete Arten leben. Für die hat auch Spediteurin Iris Ludwig ein Herz.
Iris Ludwig, Spedition Ludwig
„Trotzdem muss man wirtschaftlich denken. Und wir brauchen diesen Lückenschluss definitiv. Alleine um hier unsere Arbeitsplätze erhalten zu können. Die Wirtschaft braucht dringend einen Aufschwung. Und wir sind wirklich hier geknebelt.“
Wie viele lärmgeplagte Anwohner setzen auch die Unternehmer vor Ort jetzt vor allem auf den neuen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder: Denn der stammt selbst aus der Eifel und setzt sich seit Jahren vehement dafür ein, die letzte kleine Lücke der A1 endlich zu schließen.
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Markus Appelmann, Moderator:
Jetzt also kann Patrick Schnider in seiner neuen Funktion als Bundesverkehrsminister das Projekt vorantreiben – so zumindest die Hoffnung vieler Anwohner und Unternehmer vor Ort. Wir sprechen jetzt mit Patrick Schnieder in der Eifel. Guten Tag.
Patrick Schnieder (CDU), Bundesverkehrsminister:
Grüße Sie, Herr Appelmann.
Appelmann:
Herr Schneider, Sie haben schon als Bundestagsabgeordneter klar für den A1-Lückenschluss gekämpft. Nun sind alle Augen auf Sie gerichtet. Was tun Sie, damit die Autobahn weitergebaut wird?
Schnieder:
Also der Abschnitt, der am weitesten in der Planung ist, liegt im Moment vorm Bundesverwaltungsgericht. Wir warten ab, was das Bundesverwaltungsgericht entscheidet. Da ist mündliche Verhandlung Ende des Jahres. Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir die Planung bestätigt bekommen. Und dann besteht Baurecht. Dann werden wir uns darum kümmern, dass wir in die Umsetzung kommen, sprich, dass wir diesen Abschnitt auch bauen können.
Appelmann:
Bei dem Gerichtsverfahren spielt unter anderem das besonders schützenswerte Haselhuhn eine Rolle. Einige Menschen vor Ort, mit denen wir gesprochen haben, sagen: “Wir dürfen doch bei allem Tierwohl nicht den Menschen vergessen.” Was sagen Sie den Anwohnern?
Schnieder:
Ich gebe Ihnen vollkommen recht. Und deshalb kämpfe ich ja dafür, wie viele andere auch in der Vulkaneifel, dass der Lückenschluss endlich realisiert wird. Das sind unerträgliche Zustände in vielen kleinen Dörfern, Städten, wo der Ausweichverkehr fährt. Also aus allen Gesichtspunkten – Naturschutz, Umweltschutz, Klimaschutz übrigens auch – hilft der Lückenschutzweiter. Und deshalb drängen wir darauf, dass er endlich realisiert werden kann.
Appelmann:
Der Lückenschluss ist ja ein Projekt, über das schon seit Jahrzehnten gestritten wird. Wann glauben Sie denn, dass man auf der A1 von Rheinland-Pfalz nach Nordrhein-Westfalen durchgehend fahren kann? Nennen Sie mal eine Zahl.
Schnieder:
Das wäre unseriös, heute eine Zahl zu nennen, weil wir bei den Abschnitten in Nordrhein-Westfalen noch kein Baurecht haben. Aber auch da werden wir bei dem nächsten Abschnitt dann im Jahr 2026 voraussichtlich den nächsten großen Schritt machen können. Ich werde mir im Herbst mit der Autobahn GmbH die Abschnitte noch einmal sehr genau anschauen und wir werden Druck machen, dass wir möglichst schnell auch in für diese Bauabschnitte Baurecht bekommen.
Appelmann:
… sagt der Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Ich danke Ihnen.
Schnieder:
Gerne.