Heftige Diskussionen – ist der Verbrennungsmotor wirklich Geschichte?

Der Job-Kahlschlag in der Automobilindustrie: Verantwortlich dafür sind nicht nur die Autokonzerne selbst, sondern auch die Politik. Vor zwei Jahren wurde beschlossen: In der EU sollen ab 2035 keine mit Benzin oder Diesel betankten Neuwagen mehr zugelassen werden dürfen. Immer wieder gab es daran Kritik – auch jetzt. Kommt es also doch – das Aus fürs Verbrenner-Aus?

Auf der IAA in München präsentierten die Autohersteller in der vergangenen Woche ihre neuen Elektro- und Hybridmodelle. Doch diskutiert wurde dann vor allem über ein Thema: das Verbrenner-Aus.
Bundeskanzler Friedrich Merz erwähnte es in seiner Rede zwar nicht konkret. Wirbt aber für Technologieoffenheit.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler, am 09.09.2025
„Wir wollen keine Einengung auf eine einzige Lösung.“
Es brauche mehr Flexibilität in der Regulierung, einseitige politische Festlegungen seien grundsätzlich der falsche Weg. Deutlich konkreter wird da am Wochenende Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Für den CDU-Politiker aus der Eifel steht fest:
Patrick Schneider (CDU), Bundesverkehrsminister
„Ich bin grundsätzlich dafür, dass wir das Verbrennerverbot in der jetzigen Form nicht so weiterführen können, ja.“
Ein Hin und Her! Doch für Automobilexperte Jürgen Pieper tragen neben der Politik vor allem auch die Autohersteller selbst eine erhebliche Schuld an der schlechten Lage der deutschen Autoindustrie.
Jürgen Pieper, Automobilexperte
„Sie haben die letzten Jahre eine etwas konfuse Strategie gefahren, was die E-Mobilität betrifft.“
Beispiel Opel: 2021 kündigt der damalige Chef Michael Lohscheller an, Opel werde ab 2028 in Europa ausschließlich E-Autos anbieten.
Jürgen Pieper sagt, sowohl Opel als auch VW und Mercedes – alle hätten in der ersten Euphorie voll auf die Karte E-Mobilität gesetzt.
Jürgen Pieper, Automobilexperte
„… und sagen jetzt, wir müssen zurück marschieren, der Verbrenner hat noch ein langes Leben. Und wir haben jetzt quasi offene Strategie. Das heißt, dieses „Hü-Hott“ hat natürlich alle Beteiligten verunsichert. Hat den Käufer auch irgendwo zurückgehalten und hat auch den Eindruck erweckt, als wenn man noch nicht wirklich ganz vorne mit dabei ist, was die E-Mobilität betrifft. Und sie haben zum Beispiel – was von der Wichtigkeit, glaube ich, nicht zu unterschätzen ist – sie haben, den Hybrid-Markt völlig unterschätzt, der mittlerweile in Europa mit Abstand der größte Markt ist.“
Aber selbst die so erfolgreichen Hybrid-Autos dürften – Stand jetzt – ab 2035 in der EU nicht mehr neu zugelassen werden. Doch diesem Verbot erteilt Bundesverkehrsminister Schnieder jetzt eine klare Absage. Der von der Politik eingeschlagene Kurs müssen überarbeitet werden.
Patrick Schneider (CDU), Bundesverkehrsminister
„Wir sehen ein Hochlaufen der Elektromobilität. Wir sehen Fortschritte beim Wasserstoff. Wir werden die Lade-Infrastruktur im Bereich der E-Mobilität weiter ausbauen. Der Pfad ist vollkommen klar, aber wenn man sieht, man muss etwas korrigieren, dann muss man auch bereit sein, das zu tun.“
Die Europäische Kommission hat jetzt angekündigt, das Verbrenner-Aus „schnellstmöglich“ zu überprüfen. Und schnell sollte es jetzt tatsächlich gehen. Denn die Verunsicherung bei den Kunden ist in den vergangenen Tagen ganz sicher wieder größer geworden.