Düstere Zeiten für Automobilbranche – Stellenabbau in Rüsselsheim und Darmstadt
Die Autoindustrie ist der Stolz Europas – für diese aktuellen Worte von EU-Chefin Ursula von der Leyen können sich die Automobilproduzenten wenig kaufen. Klar scheint aber: In der Politik und in der Managementebene sind in den letzten Jahren etliche Fehler gemacht worden. Und so ist die Situation bei den Autoherstellern, den -zulieferern und -dienstleistern sehr düster. Stellenabbau beim Autozulieferer BorgWarner, Standortschließungen bei Continental in Hessen und auch bei Segula in Rüsselsheim ist die Lage dramatisch. Der französische Entwicklungsdienstleister hat Insolvenz in Eigenverantwortung beantragt und ist jetzt auf der Suche nach einem Investor. Die Zeit wird knapp.
Es sind zermürbende Tage. Rund 320 Menschen arbeiten bei Segula im Bereich Testen und Prüfen – hier am Standort in Rüsselsheim sowie auf der Teststrecke in Rodgau-Dudenhofen. Keiner von ihnen weiß, wie es mit ihren Arbeitsplätzen weitergeht. Alle hoffen darauf, dass das Management in den nächsten Tagen einen Investor findet.
Daniel Bremm, IG Metall Darmstadt
„Wenn kein Investor kommt, der Geld mitbringt für ein neues Projekt, werden am Ende des Monats 300 Menschen nicht im Betrieb sein, sondern auf der Straße stehen ohne Arbeit.“
Der Kontrast könnte nicht höher sein – zwischen der momentanen Lage des französischen Entwicklungsdienstleisters und seinen hochfliegenden Plänen zum Start in Rüsselsheim vor sechs Jahren. Damals hatte Opel große Teile seines Entwicklungszentrums an Segula verkauft. Von bis zu 2.000 Arbeitsplätzen war die Rede. Bei vielen Opel-Mitarbeitern und der Gewerkschaft kam der Einstieg nicht gut an. Doch Segula gab sich selbstbewusst.
Martin Lange, Geschäftsführer Segula Deutschland, am 03.09.2019
„Das Interesse ist groß und ich bin zuversichtlich, dass uns die Auslastung des Standortes auf lange Sicht gelingt.“
Jetzt, nur sechs Jahre später, sieht es danach nicht mehr aus. Ein Trend, den der Frankfurter Automobilexperte Jürgen Pieper bei vielen Entwicklungs-und Ingenieursfirmen in der Autoindustrie beobachtet.
Jürgen Pieper, Automobilexperte
„Da geht es ziemlich den Berg runter zurzeit. All diese Unternehmen haben große Schwierigkeiten, auch weil die Hersteller selbst versuchen wieder viele Aktivitäten ins eigene Haus zu holen. Weil ja da auch Druck ist auf die Arbeitsplätze versucht man, Entwicklungsleistungen alle – oder viele davon – wieder ins eigene Haus zu holen. Das heißt, Stellantis wird sagen: Ich brauche Segula im großen Stil nicht mehr, ich mache jetzt das meiste selber. Und deswegen ist die Zukunft, glaube ich, für Segula tatsächlich nicht gut.
Nicht gut ist auch die Lage beim Autozulieferer BorgWarner. Das Unternehmen hat in der vergangenen Woche angekündigt, sich an seinen Standorten in Darmstadt und Langen von rund der Hälfte seiner Mitarbeiter zu trennen – rund 350 Menschen werden ihren Job verlieren. Als Begründung nannte BorgWarner unter anderem die angespannte Marktsituation.
Bei Segula sieht die Gewerkschaft zwar auch die angespannte Marktlage, doch es seien auch durchaus Management-Fehler gemacht worden.
Daniel Bremm, IG Metall Darmstadt
„Die letzten Jahre waren, glaube ich, Jahre, die man hätte nutzen können, um auch in anderen Branchen – wie auch in der Luftfahrt oder in der Bahntechnik mehr Projekte an Land zu ziehen und das ist nicht gelungen. Man ist sehr stark im Automobilbereich unterwegs gewesen und das ist jetzt eben das Ergebnis dessen.“


