Probleme mit der Darmstädter Drogenszene
In Darmstadt reißt die Diskussion um die dortige Drogenpolitik nicht ab. Während sich in einem städtischen Park die Drogen-Szene immer weiter ausbreitet, ist eine Hilfseinrichtung nebenan immer noch nicht fertig. Nach massiver Kritik aus der Nachbarschaft, will die Stadt ihr Konzept nun überarbeiten. Hier ist die ganze Geschichte.
Vermeintliche Idylle im Herrngarten mitten in Darmstadt, doch der Schein trügt: Ein paar Meter weiter – ein provisorischer Sichtschutz gleich am Eingang, dahinter werden offen Drogen genommen. Von hier aus verteilen sich die Konsumenten im ganzen Park. Anwohner und Parkbesucher kritisieren, der provisorische Bereich würde erst recht Süchtige und Drogendealer in den Park locken.
Daniel, Anwohner
„Crack hat halt die Oberhand gewonnen und das geht schon mit großer Aggressivität der Süchtigen einher. Man merkt das nachts durch Lautstärke und Vermüllung. Gleichzeitig sind im Viertel die Diebstähle von Fahrrädern und eingeschlagene Autoscheiben recht stark gestiegen.“
Der Grund, warum die Stadt Darmstadt den Bereich überhaupt angelegt hat: Der Neubau der Drogenhilfseinrichtung außerhalb des Parks verzögert sich; nach einem Schaden im Hof ist der Außenbereich noch nicht fertig. Martin Busch kennt die Szene im angrenzenden Park. Der 51-Jährige hat selbst lange Zeit Heroin konsumiert, inzwischen Cannabis und die Ersatzdroge Methadon. Das Provisorium am Parkeingang hält auch er für keine gute Lösung.
Martin Busch, Drogenkonsument
„Die Mütter haben Angst, wenn die Kinder da rumrennen und uns sehen. Wir sind ja auch ein abschreckendes Beispiel, das ist leider so.“
Mit einer Online-Petition laufen die Anwohner gegen die Zustände im Park Sturm. Ursprünglich sollte die halbfertige Einrichtung bereits im September eröffnet werden, nach der anhaltenden Kritik hat Oberbürgermeister Hanno Benz die Einweihung nun auf Ende November verschoben. Bis dahin will er gemeinsam mit der Frankfurter Drogenhilfe das bisherige Konzept überarbeiten. Der abgetrennte Bereich soll zudem weiter vom Parkeingang weg verlegt werden. Der Oberbürgermeister räumt ein:
Hanno Benz (SPD), Oberbürgermeister Darmstadt
„Der Fehler, der gemacht wurde, ist: Man hat nur über die Frage nachgedacht, wie schnell kann man die neue Drogenhilfeeinrichtung eröffnen, ohne dabei zu bedenken, was das für Folgewirkungen hat.“
Kritik kommt auch aus der eigenen Partei, die zwar den Oberbürgermeister stellt, aber nicht im Magistrat sitzt. Um das Problem im Herrngarten in den Griff zu kriegen, fordern die Sozialdemokraten betreute Konsumräume nach Frankfurter Vorbild. Die sind in der bisherigen Planung nicht vorgesehen.
Michael Siebel (SPD), Fraktionsvorsitzender in Darmstadt
„Also im Prinzip müsste das über eine Ausnahmegenehmigung von Seiten des Landes passieren, so wie Frankfurt das auch gemacht hat. Dann könnte wir das in Darmstadt auch realisieren.“


