Die Postsiedlung in Darmstadt, Teil 2
Mitten in Darmstadt, versteckt zwischen Einfamilien-Häusern und Wohnblocks, befindet sich eine kleine Oase. Ein Biotop, in dem mehr als 1.800 Tierarten leben. Dabei ist es gerade mal halb so groß wie ein Fußballfeld. – Wie kann das sein? Diesem Geheimnis auf der Spur, haben wir die innerstädtische Idylle besucht und sind dabei auf freundliche Gesichter, eine liebevolle Gestaltung und engagierte Ehrenamtler gestoßen. Teil Zwei unserer kleinen Serie über das Leben in der Postsiedlung.
Seine Freizeit verbringt Jan Becker gerne beim Fotografieren an seinem Lieblingsort. Hier im Biotop der Postsiedlung findet er immer wieder faszinierende Motive – seien es bunte Blüten oder seltene Tierarten.
Jan Becker, Ehrenamtlicher im Biotop Postsiedlung
„Die Fotos dienen zwei Zwecken. Zum einen, dass wir Postkarten damit machen und auch mit den besonders schönen Fotos, die kommen auf einen Kalender am Ende des Jahres, um einfach auch sozusagen nach außen zu tragen, wie vielfältig doch das Leben hier ist in dem Biotop. Und es geht halt auch sehr viel darum zu schauen, welche Arten wir in welchen Jahren hier haben und wie groß eigentlich die Biodiversität tatsächlich hier ist auf dieser Fläche.“
Die ist sehr groß. Mehr als 1.800 Insekten, Schnecken, Vögel und weitere Tierarten konnte Jan Becker gemeinsam mit anderen naturbegeisterten Nachbarn in den vergangenen vier Jahren nachweisen. Darunter auch viele Arten, die vom Aussterben bedroht sind oder zwischenzeitlich gar schon als ausgestorben galten. So wie der Tannen-Zwergmarienkäfer, den sie sie hier erst kürzlich wieder fotografieren konnten. Sein Wissen gibt Jan Becker gerne an die Menschen in seinem Quartier weiter – genau wie die wissenschaftliche Dokumentation auf rein ehrenamtlicher Basis. Heute erklärt er Kindern aus der Nachbarschaft auf spielerische Art und Weise, was es hier zu entdecken gibt.
Julian, 11 Jahre alt
„Zum Beispiel, wie viele Tierarten es gibt. Das ist einfach fantastisch, wie man hier sieht, was es alles gibt.“Jana, 11 Jahre alt
„Viele Ameisen und auch Bienen – Sandbienen und es gibt auch ganz kleine Bienen, von denen man vielleicht im Alltag noch gar nichts gehört hat und Goldbienen, so was. Das wusste ich gar nicht.“Christian, 14 Jahre alt
„Dass teilweise die Bienen auch sich in der Erde ihre Häuser bauen und gar nicht jetzt in den Bienenstöcken selber drin. Also man hat ja immer das typische Bild von einer Honigbiene, aber das hat mich fasziniert, dass es auch so vieles andere gibt, was man jetzt nicht auf dem Schirm hat.“
Mehrmals im Jahr gibt es auch große Pflanz- und Pflegeaktionen im Biotop, bei denen sich jeder beteiligen kann. Neben den ehrenamtlichen Helfern unterstützen der BUND und das städtische Umweltamt das Projekt. Bleibt die Frage nach dem Geheimnis hinter der enormen Artenvielfalt, ausgerechnet auf dieser kleinen Fläche mitten im Wohngebiet.
Jan Becker, Ehrenamtlicher im Biotop Postsiedlung
„Darmstadt ist, dadurch, dass es relativ wärmebegünstigt ist und an der Schnittstelle aus verschiedenen Lebensräumen und Klimazonen liegt, relativ günstig schon mal per se für die Artenvielfalt. Und dann ist natürlich auch diese Fläche hier sehr divers angelegt. Und je mehr Pflanzenvielfalt man praktisch hat, desto mehr Arten kommen auch.“


