Start des Ausbildungsjahres

Der 01. September ist in Rheinland-Pfalz traditionell Ausbildungsbeginn. Doch auch heute sind noch viele Stellen unbesetzt. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungs-Verträge ist seit 2008 um satte 25 Prozent zurückgegangen. – gleichzeitig gibt es noch immer einige junge Menschen, die aktuell auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. – Wir fragen uns: Wie passt das zusammen?

Hier beim Diesel- und Getriebeservice in Mainz haben Host Bölling und Kim Stöhler eine Mission: Eine Nachfolge für die Auszubildende finden. Kim  ist in ihrem dritten Lehrjahr zur Industriekauffrau. Einen neuen Mitarbeiter könnte die 20-Jährige direkt anlernen. Doch die meisten Bewerber waren bisher nicht geeignet.
Horst Bölling, Ausbilder Diesel- und Getriebeservice
„Zeugnisnoten sind auch nicht alles. Wir versuchen schon, das menschliche kennen zu lernen. Und ich kann das durchaus so ein bisschen einordnen. Und bis jetzt hat uns unser Bauchgefühl, oder in dem Bewerbungsgespräch das Gefühl, das wir bekommen haben von den Bewerbern, meistens recht gegeben.“
Eigene Kunden, viel Verantwortung – das gefällt Kim  an ihrer Ausbildung. Doch auch sie hat das Gefühl, dass Auszubildende und Unternehmen nicht mehr richtig zusammen finden.
Kim Stöhler, Auszubildende zur Industriekauffrau
„Es ist mittlerweile ja nicht mehr Standard, dass jeder einen Führerschein hat. Und ich fahre jetzt zum Beispiel eine halbe Stunde auf die Arbeit und ohne Führerschein würde ich auch nicht hierher fahren.“
Damit spreche die 20-Jährige ein großes Problem an, so Arbeitsmarktexperte Stefan Sell. Oft wohnen jungen Menschen nicht da, wo es offene Stellen gibt. Gleichzeitig gebe es große Unterschiede in der Beliebtheit verschiedener Branchen.
Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte Hochschule Koblenz
„Wir müssen nach den unterschiedlichen Berufen unterscheiden. Viele Betriebe, die zum Beispiel überhaupt keine Azubis finden, bewegen sich in bestimmten Branchen, die sowieso schon seit Jahren Schwierigkeiten haben, Azubis zu finden. Wenn Sie an den Gastronomiebereich denken, wenn Sie auch an bestimmte handwerkliche Berufe denken.“
Während die einen also zu viele Bewerber haben, haben andere nicht genug. Für Unternehmen sei das gleichermaßen schwer wie für Berufsstarter. Hier hätten aber nicht nur die Auszubildenden Nachteile: Auch für Studienabgänger sei die Situation prekär. Denn oft sind Studiengänge sehr spezifisch, der angespannte Arbeitsmarkt braucht diese Fachkräfte derzeit nicht.
Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte Hochschule Koblenz
„Und jetzt kommen diese jungen Berufsanfänger mit einer hohen Qualifikation, aber sehr speziell auch. Die stehen jetzt quasi vor dem Nichts, weil es keine Aufnahmefähigkeit gibt.“
Beim Diesel- und Getriebeservice in Mainz geben sie die Hoffnung aber nicht auf. Heute Morgen sind doch noch drei Bewerbungen eingetroffen. Vielleicht ist dann ja da ein neuer Azubi mit dabei.