Hessischer Demografiepreis verliehen
Wir werden weniger, bunter und älter – so könnte man den demografischen Wandel in einem kurzen Satz auf den Punkt bringen. Der hinterlässt gerade im ländlichen Raum seine Spuren: Dorfläden schließen, der letzte Landarzt im Ort macht die Praxis dicht – das ist vor allem für die Älteren ein Problem. Da muss man doch was tun, dachte man sich im mittelhessischen Breitscheid und entschloss sich kurzerhand dazu, mitten im Ort ein neues Gesundheitszentrum einzurichten. Für diese Idee ist die Gemeinde jetzt mit dem hessischen Demografiepreis ausgezeichnet worden.
Gerade einmal 4500 Menschen leben in Breitscheid. Doch der idyllisch an den Ausläufern des Westerwaldes gelegene Ort hat ein Gesundheitszentrum, das sich sehen lassen kann: Neben mehreren Arztpraxen gibt es hier unter anderem eine Tagespflege für Senioren, eine Apotheke und einen Optiker. Und wer mal warten muss, kann das auch bei Kaffee und Kuchen tun: Denn eine Bäckerei samt Café hat hier ebenfalls eine neue Heimat gefunden. Seit fünf Jahren gibt es das Gesundheitszentrum jetzt schon – es hat der Gemeinde Breitscheid neues Leben eingehaucht.
Torsten Germann, Gesundheitszentrum Breitscheid
„Heimat sollte nicht verhandelbar sein. Und es ist ein schönes Beispiel jetzt nach 5 Jahren, da sind wir sehr sehr froh, dass es gelungen ist, auch einen Ort, der vorher vielleicht etwas anders, etwas ruhiger in sich gelebt hat, wirklich aufleben zu sehen. Dass es in die Region hineinstrahlt. Und dass sehr viel Gutes geschehen ist. Alleine die Arbeitsplätze, die hier neu entstanden sind.“
Insgesamt, so berichten Investor Torsten Germann und Breitscheids Bürgermeister Roland Lay stolz, arbeiteten rund 150 Beschäftigte im neuen Gesundheitszentrum – sechs der hier ansässigen Unternehmen sind Neugründungen. Demografischer Wandel ist das, was man daraus macht – findet der Bürgermeister.
Roland Lay (parteilos), Bürgermeister Breitscheid
„Ich würde das nicht als Problem bezeichnen, sondern eher als Chance, etwas draus zu machen, dass die Leute auch im Alter zu Hause wohnen bleiben können. Und das Gesundheitszentrum ist auch als Alleinstellungsmerkmal für junge Familien unwahrscheinlich wichtig, dass die hier auch in Breitscheid wohnen bleiben.“
Ein Engagement, das auch die Jury des hessischen Demografierpreises überzeugt hat: Mit ihrem Projekt landen die Breitscheiter auf Platz 1 – vor einem ehrenamtlichen betriebenen Schwimmbad in Sinn und einem Dorfladen im Marburger Stadtteil Ginseldorf.
Torsten Germann, Gesundheitszentrum Breitscheid
„Wir sind natürlich unendlich glücklich, dass das jetzt funktioniert hat. Jetzt heute hier den ersten Platz zu machen, das ist, ehrlich gesagt, mehr als wir uns irgendwie erträumt hätten.“Benedikt Kuhn (CDU), Chef der hessischen Staatskanzlei
„Es ist wahnsinnig wichtig. Weil der demografische Wandel, darüber sprechen wir ja auch immer wieder, politisch aber auch gesellschaftlich, der wird uns nicht mehr loslassen. Sondern der wird uns weiter beschäftigen. Insbesondere im ländlichen Raum. Und all diese Projektträgerinnen und Projektträger zeigen: Wie kann man trotzdem mit Innovationen, mit Leidenschaft und mit Kreativität vor Ort Projekte umsetzen, die den ländlichen Raum lebenswert machen. Die nicht nur dafür sorgen, dass die Leute dort leben – sondern dass sie gerne und gut dort leben.“


