Streit um Nutzung des Wiesbadener Palasthotels
Das ehemalige Palasthotel in der Wiesbadener Innenstadt sorgt gerade für Unmut. Als die Stadt das Gebäude in den 70er Jahren gekauft hatte, wurden die Suiten zu Sozialwohnungen umgebaut. Doch im Laufe der vergangenen Jahre mussten die Mieter ausziehen. Stattdessen sollen dort jetzt unter anderem Flüchtlinge unterkommen. Für viele Wiesbadener ist das nicht nachvollziehbar.
Es war einst das beste Hotel in ganz Wiesbaden. Noch heute ist die prunkvolle Fassade ein Hingucker. Seit 50 Jahren ist das Gebäude Eigentum der Stadt. Dessen Nutzung sorgt aktuell für große Aufregung.
Daniela Georgi (CDU), Fraktionsvorsitzende Wiesbaden
„Weil die Menschen einfach nicht verstehen, was die aktuelle Stadtregierung hier veranstaltet. Wir haben hier eine Immobilie in bester Lage, die dringend sanierungsbedürftig ist und deswegen wurden die Mieter schon vor einiger Zeit aufgefordert auszuziehen. Statt dass es jetzt voran geht in irgendeine Richtung, hat man jetzt neue Mieter, nämlich diese 13 Flüchtlingsfamilien, hier rein geholt.“
Der Schein vom Prachtbau trügt. Abgesehen vom Eingangsbereich ist innen nicht mehr viel vom Luxus übrig. In den 70er Jahren sind hier 85 Sozialwohnungen entstanden. Die sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Weil eine Sanierung unausweichlich ist, hat die Stadt nach und nach für die Bewohner andere Wohnungen gefunden. Obwohl weder feststeht, wann die Baumaßnahmen starten, noch ob das Gebäude überhaupt in städtischer Hand bleibt.
Patricia Becher, Sozialdezernentin Wiesbaden
„Um zu verhindern, dass wenn jetzt in der Politik eine Entscheidung fällt, wir dann Mieterinnen und Mieter sehr kurzfristig damit konfrontieren müssen und da wir eben nur eine geringe Leerstandsquote haben, vielleicht in der Kürze der Zeit auch gar nicht den adäquaten Wohnraum finden, zu sagen, wir bereiten das entsprechend lange vor. Derzeit leben auch noch sieben Mieterinnen und Mieter dort.“
Nach der Sanierung sollten im ehemaligen Palasthotel Senioren- oder Businesswohnungen entstehen, so die Pläne der Stadt. Je nachdem würden die Kosten bei circa 44 Millionen Euro liegen. Doch ob man dieses Geld wirklich aufbringen kann oder das Gebäude besser verkauft, darüber herrscht Uneinigkeit in der Stadtregierung aus Grünen, Linke, SPD und Volt.
Patricia Becher, Sozialdezernentin Wiesbaden
„Ursprünglich war geplant, dass ein politischer Entscheidungsprozess Ende letzten Jahres abgeschlossen ist. Es gab aber dann nochmal vertiefte Nachfragen, die wir gebeten wurden zu prüfen, sodass es noch nicht zu einer Entscheidung kam.“
Bis das geklärt ist, soll das Gebäude nicht leer stehen, sondern zumindest zwischengenutzt werden. Das Theater im Innenhof und die Gewerbe im Erdgeschoss haben befristete Verträge bekommen. Und in 13 Wohnungen, die aktuell leer, aber noch bewohnbar sind, sollen vorübergehend Bürgergeldempfänger Unterkunft finden. Zurzeit sind drei Apartments belegt, zwei von anerkannten Flüchtlingsfamilien und eine von einer alleinerziehenden Mutter mit Kind, die ihre Wohnung verloren hat.
Daniela Georgi (CDU), Fraktionsvorsitzende Wiesbaden
„Das Problem ist, die Stadt Wiesbaden, der Haushalt, hat kein Geld. Dieses Linksbündnis hat seit Jahren einfach mehr Geld ausgegeben, als sie haben, und jetzt soll ein neues Millionenprojekt hinzukommen. Es ist aus unserer Sicht nicht finanzierbar und weil man das anscheinend jetzt auch merkt, dass dieses Konzept kein tragfähiges Konzept ist, verschiebt sich alles.“
Die oppositionelle CDU fordert, das ehemalige Palasthotel an einen privaten Investor zu verkaufen. Doch ob der dann direkt mit der Sanierung beginnen würde und das Gebäude im Sinne der Bürger nutzt, ist ungewiss. Die Stadt hofft, sich bis Ende des Jahres einigen zu können.


