Müllsheriff auf Streife

Viele hessische Städte und Gemeinden melden uns ein Problem: Offenbar haben immer mehr Menschen keinerlei Hemmungen, ihren Müll einfach auf die Straße zu kippen. Wird schon irgendwer holen, denken sie dann wahrscheinlich – wird mich schon keiner erwischen. Doch da haben sie die Rechnung ohne die Mülldetektive gemacht …

Es stinkt doch wirklich zum Himmel: Kein Tag vergeht in Wiesbaden, an dem Marco van der List nicht irgendwo in der Stadt auf einen illegalen Müllhaufen stößt. So wie hier am Gräselberg: Schon wieder hat ein Unbekannter seinen Sperrmüll einfach an die Straße gestellt. Nur ein paar Meter weiter: Die nächste illegale Müllablagerung. In diesem Fall hauptsächlich Papiermüll – eine Kiste mit Büchern, aber auch alte Kartons. Jetzt schlägt die Stunde von Müllsheriff Marco van der List.
Marco van der List, Müllsheriff
„Ich gehe die Kartonagen jetzt hier oder den Sperrmüll durch, um Anhaltspunkte zu finden auf jemanden, dem man dann eine Anhörung schicken kann, eben ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Hier zum Beispiel habe ich eine Person gefunden.“
Dumm gelaufen: Einige der illegal abgestellten Kartons sind an eine Frau D. aus Wiesbaden adressiert – die Dame wird nun Post von der Stadt erhalten. Weil es sich in diesem Fall nur um ein paar Kartons handelt, wird die Strafe mit rund 200 Euro allerdings nicht allzu hoch ausfallen: Bei größeren Müllmengen kann das Bußgeld aber auch schnell 4.000 Euro oder mehr betragen. Finden sich im Abfall dann noch umweltgefährdende Schadstoffe, wird aus der Ordnungswidrigkeit eine Straftat – dann droht dem Verursacher sogar eine Gefängnisstrafe. Das ist hier und heute zwar nicht der Fall – Verständnis für den illegalen Papierhaufen hat Marco van der List trotzdem nicht.
Marco van der List, Müllsheriff
„Mit so Sachen fängt’s eigentlich an. Mit den einfachen Sachen. Dass man das einfach in die Mülltonne entsorgen könnte, gerade die Kartonagen. Und auch beim Sperrmüll: Da kann man anrufen. Jedem ist die Nummer eigentlich bekannt und im Internet zu finden. Und von daher verstehe ich es überhaupt nicht. Man kann den Sperrmüll viermal im Jahr abholen lassen. Oder auch zur Deponie bringen. Das kostet im Regelfall auch nichts. Es sei denn, es sind größere Mengen oder es sind Baustoffe und so weiter. Aber das wird ja nicht mehr gemacht – es wird der bequeme Weg gegangen, und das ärgert mich ziemlich.“
Immer wieder kommt der Müllsheriff von Wiesbaden bei seiner Detektivarbeit auch mit Anwohnern ins Gespräch. Vielleicht hat ja jemand was gesehen und kann Hinweise auf den Verursacher geben. Rund 1000 mal im Jahr werden die städtischen Mitarbeiter alleine in der Landeshauptstadt auf illegale Müllablagerungen aufmerksam gemacht – den Anwohnern stinkt’s gewaltig.
Horst Kambach, Anwohner
„Das finde ich gar nicht gut. Weil die könnten ja mal anrufen, könnten ihren Kram ja da hinlegen. Brauchen nur anzurufen. Es wird ja schnellstens geholt. Das dauert im Höchstfall mal zwei Tage, dann sind die ja da.“
Es gibt also eigentlich nicht den geringsten Grund, seinen Müll illegal zu entsorgen: Doch bis das jeder verstanden hat, ist  der Müllsheriff weiter auf Streife durch Wiesbaden.