Landesprogramm zur Extremismusbekämpfung
Vergangenes Jahr ist die politisch motivierte Kriminalität in Hessen um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Rechtsextreme Straftaten nahmen sogar um 60 Prozent zu. Und auch der Antisemitismus ist durch den Gazakrieg wieder in den Fokus gerückt. Die Demokratie gerät zunehmend unter Druck! Die hessische Landesregierung hat heute ein millionenschweres Förderpaket vorgestellt, um gegenzusteuern.
Freitag im Frankfurter Grüneburgpark. Ein jüdischer Aktivist will Plakate aufhängen, die an die Geiseln erinnern, die die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen gefangen hält. Doch Bewohner des im Park aufgebauten Protestcamps sollen ihn daran gehindert, und ihn mit Farbe überschüttet haben. Ein mutmaßlich antisemitischer Angriff, wie es ihn in Deutschland inzwischen häufiger gibt.
Annegreth Schilling von der Evangelischen Akademie Frankfurt möchte das nicht hinnehmen. Sie hat ein Projekt ins Leben gerufen, das Antisemitismus-Botschafter für ganz Hessen ausbilden soll.
Annegreth Schilling, Evangelische Akademie Frankfurt
„Ich glaube, dass in Deutschland jüdisches Leben bedroht ist, wie seit dem Ende der Shoa, also seit 1945 nicht mehr und wir bilden diese Botschafterinnen aus, die vor Ort ein lokales, kleines Projekt starten können gegen Antisemitismus. Das kann zum Beispiel ein Stadtspaziergang im Odenwald sein oder eine Podiumsdiskussion, also irgendwas, wo die Leute sagen: Mensch, hier informieren wir dann über das, was wir gelernt haben.“
Das Land Hessen unterstützt das Projekt mit 47.000 Euro. Es ist Teil des Förderprogramms „Aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“.
Roman Poseck (CDU), Innenminister Hessen
„Das Land Hessen investiert jedes Jahr 8,8 Millionen Euro für diese Demokratieförderprogramme. Das ist der höchste Betrag, den wir hier jemals aufgewandt haben und trotz einer schwierigen Haushaltslage haben wir entschieden, dass wir die Mittel unangetastet lassen, weil uns die Förderung unserer Demokratie, der Schutz unserer Demokratie so wichtig sind. Der Bund steuert auch noch etwas dazu, so dass wir in diesem Jahr rund 11 Millionen Euro für Projektträger zur Verfügung haben.“
Ein weiteres Projekt ist „Freestyle“ in Kassel. Hier können Jugendliche kostenlos an Sportkursen und Aktivitäten teilnehmen und sie auch selbst gestalten. Dabei sollen den Teilnehmern spielerisch demokratische Werte näher gebracht werden.
Karsten Onderka, Gründer von „Freestyle Kassel“
„Wir haben letztens Parkour gemacht durch Kassel. Und dabei aber Stopp gemacht an Stolpersteinen und es kam der Herr vom Stolperstein-Verein. Ich sage Ihnen, fast kein Kind oder Jugendlicher wusste, was ein Stolperstein ist. Und das ist dadurch ein bisschen klarer geworden.“


