Jüdische Aktivisten in Frankfurt attackiert

Im Frankfurter Grüneburgpark steht seit knapp eineinhalb Wochen ein umstrittenes Pro-Palästina-Protestcamp. Nachdem antisemitische Vorwürfe immer lauter wurden, ist es jetzt zu einer Eskalation gekommen: Drei jüdische Aktivisten wurden am Camp mit Farbe beworfen. Der Vorwurf: Es sei eine antisemitische Tat gewesen.

Um diese Szene geht es:
Drei jüdische Aktivisten sollen hier mit Farbe beworfen worden seien. Eine Frau versucht noch zu deeskalieren.
Das soll am Freitag hier im Frankfurter Grüneburgpark am Rande eines linken Protestcamps passiert sein. Laut Polizei ist es zuvor zu einer verbalen Auseinandersetzung über den Gazakrieg gekommen. Dann wurde Farbe geworfen.
Eines der Opfer: Der jüdische Aktivist Sacha Stawski.
Sacha Stawski, jüdischer Aktivist
„Ich konnte es gar nicht sehen. Da kam eine junge Frau aus dem Camp, vermummt, dunkel gekleidet. Hat wohl zwei Farbflaschen dabei gehabt, die sie gequetscht hat, so wie man früher diese Senfflaschen hatte. Ich war von oben bis unten voll, insbesondere mein Gesicht. Mein Mund war voll, die Brille war zu.“
Eigentlich wollte er nur Plakate aufhängen, die an die israelischen Geiseln in Gaza erinnern. Sagt er uns. Daran sei er von Pro-Palästina-Aktivisten gehindert worden. Der jüdische Aktivist fühlt sich antisemitisch diskriminiert.
Sacha Stawski,  Verein „Honestly Concerned“
„Aber – und das möchte ich durchaus positiv erwähnen – die Leute aus dem Camp, mit denen wir dann gesprochen haben, haben klar gesagt, dass sie verurteilen, dass die Poster der Geiseln heruntergerissen werden, dass sie die Hamas nach deren Worten ’scheiße‘ finden – das war deren Begriff – dass sie das, was am 07. Oktober geschehen ist verurteilen, aber sie haben dann auch wiederum betont, dass andere im Camp das eben anders teilweise sehen würden und dass es ja ein Camp der Meinungsfreiheit wäre.“
Sacha Stawski  hat Strafanzeige bei der Polizei gestellt.
Laut der Deutschen Presseagentur stellen die Organisatoren des Camps das Geschehen anders dar: Sie seien zuvor attackiert worden. Für ein Interview mit uns stehen sie heute nicht zur Verfügung.
Laut eigener Aussage sollte im „System Change Camp“  über Kapitalismuskritik und Klimawandel diskutiert werden  – eineinhalb Wochen lang. Doch jetzt lautet der Vorwurf: Aus dem Camp sei ein Raum für Antisemitismus geworden.
Die Frankfurter CDU kritisiert das Protestcamp scharf. Es hätte gar nicht erst aufgebaut werden dürfen:
Nils Kößler (CDU), Fraktionsvorsitzender Römer Frankfurt
„Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat sich hier von einer verfassungsfeindlichen linksextremen Szene vorführen lassen. Das Camp hätte mit guten juristischen Argumenten in dieser Form verhindert werden können.“
Für die Frankfurter Ordnungsdezernentin Annette Rinn fällt das Protestcamp unter das Recht der Versammlungsfreiheit.
Heute sind schon viele Zelte abgebaut, viele Teilnehmer sind abgereist. Das Protestcamp soll offiziell noch bis morgen stehen. Jetzt ermittelt die Polizei.