Akuter Hausärztemangel in Rheinland-Pfalz

Im ganzen Land fehlen Hausärzte – natürlich auch in Rheinland-Pfalz. Alleine hier sind aktuell 250 Hausarztstellen unbesetzt. Die Folge: Die Praxen können sich vor Patienten kaum noch retten. Und für viele Menschen wird es immer schwieriger, überhaupt noch einen Allgemeinmediziner zu finden, der freie Kapazitäten hat. Wir haben uns die Situation beispielhaft in Worms angesehen.

In ihrer Gemeinschaftspraxis haben Dr. Denise Herzog und Dr. Lukas Nickels kaum eine freie Minute. Für Neupatienten haben sie keine Kapazitäten mehr. Die Situation ist angespannt. Und als vor einigen Wochen eine weitere Praxis in Worms schließt, verschärft sich die Lage noch einmal. Täglich müssen die Arzthelferinnen Neupatienten ablehnen. Dr. Nickels weiß: Jeder seiner Wormser Kollegen hat dasselbe Problem.
Dr. Lukas Nickels, Allgemeinmediziner in Worms
„Es nimmt einfach keiner mehr Patienten auf, weil wir uns sonst überfordern würden. Gleichzeitig ist es natürlich so, dass wir auch Patienten versorgen wollen. Dafür sind wir ja Ärzte geworden und da blutet uns absolut das Herz, dass wir dem nicht gerecht werden können die Stadt Worms angemessen zu versorgen.“
In Worms sind aktuell sechs von 44 Hausarztstellen unbesetzt. Von den praktizierenden Ärzten sind fast die Hälfte über 60 Jahre alt. Etwa ein Viertel ist eigentlich schon im Rentenalter. Zahlen, die Tina Dobiasch vom Wormser Gesundheitsnetz Sorge bereiten.
Tina Dobiasch, WoGe Wormser Gesundheitsnetz e.G.
„Die nächsten fünf bis zehn Jahre wird sich die Situation noch einmal um einiges verschärfen. Es werden einige Praxen schließen. Wir sind stetig dran Nachwuchs zu suchen, machen auch selbst über das Netzwerk Veranstaltungen für junge Ärzte, für junge Mediziner, für Studenten um sie eben frühzeitig für die Niederlassung zu gewinnen, zu motivieren, aufzuklären.“
Doch der Nachwuchs lässt auf sich warten. Der Fachbereich Allgemeinmedizin gilt unter Studenten oft als unattraktiv. Außerdem gibt es in Rheinland-Pfalz zu wenige Medizinstudienplätze. 2024 haben gerade einmal 450 Menschen ein Medizinstudium begonnen. Vor einigen Jahren führt das Land eine Landarztquote ein, um Studenten für eine Niederlassung zu gewinnen.
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister RLP
„Wer sich also verpflichtet, während seinem Studium Hausarzt oder Hausärztin im Land zu werden, der bekommt bevorrechtigt einen Studienplatz. Da werden wir jetzt bald die ersten Absolvent*innen haben. Und wir haben im Studienbetrieb auch Studierende die wir sehr viel genauer an den Hausarztberuf heranführen, um den ein bisschen schmackhaft zu machen. Weil das ist ein ganz tolles Berufsbild in der Ärzteschaft.“
Für die Sicherstellung einer ärztlichen Versorgung ist eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Doch die muss sich an veraltete Regelungen des Bundes halten.
Andreas Bartels, Kassenärztliche Vereinigung RLP
„Wir haben leider eine sogenannte Bedarfsplanung, die eingeführt worden ist in der Phase, als es zu viele Ärzte gab, und diese Bedarfsplanung hindert uns zum Teil daran – weil es sehr aufwendig und ein großer Prozess ist – zum Beispiel einen Arztsitz kurzfristig von jetzt auf gleich neu zu besetzen.“
Schon seit Jahren fordert die Kassenärztliche Vereinigung eine Reform der Bedarfsplanung. Doch die ist bisher nicht in Sicht. Für Dr. Nickels und seine Kollegen in Worms heißt das: Weiterhin volle Wartezimmer und keine Entspannung der Lage.