Säugling tot – Prozessauftakt in Trier
Ein Schütteltrauma kann lebensgefährlich sein. Es gilt als die häufigste nicht natürliche Todesursache bei Säuglingen und Kleinkindern. Ab heute muss sich ein junger Familienvater vor dem Landgericht Trier verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im April 2022 seinen Säugling zu Tode geschüttelt zu haben. Fest steht: Der Prozess wird nicht einfach.
Marco P. ist wegen Totschlag an seinem drei Monate alten Sohn angeklagt. Als er mit dem Kind alleine war, soll der damals 25-Jährige es heftig geschüttelt haben. Er selbst bestreitet die Vorwürfe. Laut seiner Aussage habe er das Baby, als es schrie, aus dem Laufstall genommen, dann habe es kurz gekrampft und anschließend aufgehört zu atmen.
Nina Seeh, Reporterin in Trier
„Marco P. stellt zu Verhandlungsbeginn klar: ‚Ich habe unser Kind nicht geschüttelt!‘ Während seiner Aussage ist er sichtlich emotional und ringt mehrfach um Fassung. Sobald er an dem Tag gemerkt habe, dass sein Sohn nicht mehr reagiert, habe er direkt Reanimationsmaßnahmen eingeleitet und den Notarzt alarmiert. Für ihn selbst sei das alles ein großer Schreck gewesen. Seine Frau beschreibt ihn in ihrer Zeugenaussage als engagierten Vater.“
Nach der Reanimation liegt das Baby noch einen Monat im Krankenhaus, bis es laut einem von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Gutachten an den Folgen der erlittenen Verletzungen stirbt. Marco P. habe durch sein Handeln den Tod billigend in Kauf genommen. Ein angefordertes Gutachten der Verteidigung kommt zu einem anderen Schluss.
Christian Kruchten, Verteidiger
„Ich rechne jetzt damit, dass am nächsten Verhandlungstag, wo alle Gutachter da sind, eine Art Showdown der Gutachter hier stattfindet, weil das ist schon interessant, dass verschiedene Gutachter zu einem verschieden Ergebnis kamen. Es gibt für mich kein anderes Plädieren als auf einen Freispruch.“Volker Blindert, Staatsanwalt
„Im Rahmen der Hauptverhandlung muss man dann jetzt schauen ob es sich hier um eine Einwirkung von außen gehandelt hat, die strafbar ist, oder ob es tatsächlich eine innere Ursache und das eine absolute Tragödie ist.“


