Seltene Berufe: Die Kunstglaserin

Was wären Kirchen ohne ihre leuchtend schönen Fenster – wie die Mainzer Stephanskirche zum Beispiel mit ihren weltberühmten blauen Fenstern von Marc Chagall. Um Meisterwerke wie diese zum Strahlen zu bringen, ist erfahrenes Kunsthandwerk gefragt. Wir haben eine Kunst-Glaserin im süd-pfälzischen Bad Bergzabern besucht, die heute noch Kirchenfenster und anderes herstellt und repariert. Teil 3 unserer Sommerserie „Seltene Berufe“.

Karin Histing, Kunstglaserin in Bad Bergzabern
„Diese Arbeit mit den Farben, mit den farbigen Gläsern, das zusammenzustellen und… Dieses Leuchten, wenn dann das Licht durchkommt und sich drin bricht… Das ist einfach unvergleichlich… Ich bin die Karin Histing und bin Kunstglaserin.“
Wie ein Puzzle setzt Karin Histing die zurechtgeschnittenen Buntglasfenster zusammen. Damit die am Ende ineinandergreifen, braucht sie entsprechende Bleiruten. Mit dieser Bleizugmaschine formt sie das passende Profil. Jetzt noch alles auf dem Arbeitstisch fixieren, dann kommen Lötkolben und Lötzinn zum Einsatz. Bleiverglasung, eine traditionelle Gestaltungstechnik mit gewissen Vorzügen.
Karin Histing, Kunstglaserin in Bad Bergzabern
„Wenn ein Fenster nicht mehr ganz stabil ist, dann werden die Teile auseinander genommen und wird dann neu verbleit. Dass nur die Bleiruten erneuert werden und die Gläser werden noch verwendet. Also, wir machen die Technik der Bleiverglasung schon noch recht häufig.“
Wobei Kirchenfenster, wie in diesem Fall, nur noch selten neugestaltet werden. Meist sind Restaurierungsarbeiten gefragt. Diese beschädigte Scheibe stammt aus einem Gartentor. Das Muster überträgt Karin Histing mit einer Schablone, die Farbe mischt sie originalgetreu zusammen und verteilt sie gleichmäßig mit dem Pinsel. Dann heißt es: Ab in den Ofen.
Karin Histing, Kunstglaserin in Bad Bergzabern
„Bei 620 Grad circa werden die Farben eingebrannt. Dabei wird die Glasoberfläche leicht weich schon, also die Farbe schmilzt wirklich in die Oberfläche ein… und ist damit sehr fest verbunden.“
Fest verbunden fühlt sich auch Karin Histing – der Kunstglaserei. Ein Artikel weckt schon früh ihre Begeisterung, auf Ausbildung und Gesellenjahre folgen Meister und Werkstattleitung in München. Zurück in der Pfalz steigt sie hier in den 135 Jahre alten Familienbetrieb Krumholz ein, den sie vor sieben Jahren übernimmt. Ihr Antrieb:
Karin Histing, Kunstglaserin in Bad Bergzabern
„Diese Mischung aus Kreativität und Handwerk. Und auch dieses ursprüngliche Handwerk, was einfach schon seit Jahrhunderten so gemacht wird. Es ist einfach sehr befriedigend, wenn man mit seinen Händen irgendwas erschafft und weiß, dass das auch lange bestehen bleibt.“
Meist hat sie alle Hände voll mit Aufträgen zu tun – und doch bleibt auch Raum für Eigenkreationen. Hier kann sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Inspirieren lässt sie sich von der Natur, vor allem aber vom Glas selbst – das beim Sandstrahlen offenbart, was in ihm steckt.
Karin Histing, Kunstglaserin in Bad Bergzabern
„Hier sind jetzt so Linien im Glas, einfach die vom Herstellungsprozess. Und die haben sich jetzt ein bisschen rausgebildet. Ja, das ist einfach spannend und… Ja, man weiß nie ganz genau, wie das Ergebnis sein wird.“
Aktuell wird sie von einem Gesellen unterstützt. Gerne würde sie auch wieder ausbilden und ihre Erfahrung weitergeben. Damit der selten gewordene Beruf des Kunstglasers weiterlebt.