Hitzebus hilft Obdachlosen
Dass wohnungslose Menschen im Winter auf Hilfe angewiesen sind, ist vielen klar. Dann bringt unter anderem der Kältebus heiße Getränke und warme Decken. Doch auch diese sehr heißen Temperaturen können für die Menschen, die auf der Straße leben, gefährlich werden. In Mainz ist deshalb seit diesem Sommer erstmals auch ein Hitzebus des Deutschen Roten Kreuzes unterwegs.
Sonnencreme, Mützen, Deo – und am wichtigsten: kalte Getränke. Uwe Link und sein Team aus ehrenamtlichen Helfern des Roten Kreuzes sind an besonders heißen Tagen mit ihrem Hitzebus in der Mainzer Innenstadt im Einsatz. Für den Lehrer ist der Hitzebus ein Herzensprojekt.
Uwe Link, DRK Mainz-Hechtsheim
„Unser Projekt heißt tatsächlich auch ‚Hinschauen‘, das heißt, wir gehen mit offenen Augen durch die Stadt und schauen wirklich auch, ob wir Menschen sehen, die da entsprechend auf der Straße sitzen.“
Insgesamt zwei Stunden ist das Team heute in der Stadt unterwegs. Sie wissen mittlerweile genau, wo sich die Menschen aufhalten, die ihre Hilfe brauchen. So wie Thorben, der seit einem Jahr auf der Straße lebt. Bei den hohen Temperaturen ist es am wichtigsten seinen Kreislauf stabil zu halten, erzählt er.
Thorben
„Es ist enorm wichtig. Jetzt gerade Getränke helfen extrem. Wirklich also das ist … man kriegt zwar viele Lebensmittel, aber relativ wenig Getränke. Von daher ist das schon eine große Hilfe, die die leisten.“
Die Mission des Hitzebusses: die Menschen überhaupt wahrnehmen, ihnen zuhören und gezielt helfen. Alles ist durch Spende- und Fördermittel finanziert.
Wie viele Obdachlose in Mainz leben, ist nicht bekannt, geschätzt sind es circa 200. Einen dauerhaften Schlafplatz und Standort zu finden fällt ihnen schwer. Gerade im Sommer. Mainz hat zwar ein paar Grünflächen, aber die Innenstadt ist großflächig versiegelt und es fehlt an schattigen Rückzugsmöglichkeiten.
Uwe Link, DRK Mainz-Hechtsheim
„Und dadurch staut sich die Hitze unglaublich. Es gibt kaum eine Abkühlung über Nacht auch und das macht das ganze sehr menschenfeindlich letztendlich auch. Also das heißt, die Leute suchen sich da ihre Nischen im Schatten, wo sie entsprechend sitzen können, aber an sich die großen Plätze sind wirklich leergefegt.“
Nicht immer bleibt es bei Wasser und Sonnenschutz. Die meisten Helfer beim Roten Kreuz haben auch eine medizinische Ausbildung und können auf Notfälle reagieren.
So wie bei diesem älteren Mann aus Rumänien. Er zeigt dem Team seine Operationsnarbe an der Hand. Die Fäden sind seit über sechs Wochen in der Haut und beginnen sich zu entzünden. Doch eine Erstversorgung reicht hier nicht aus.
Uwe Link, DRK Mainz-Hechtsheim
„Ich war jetzt gerade in der unfallchirurgischen Praxis hier vorne. Habe gefragt, ob die das unbürokratisch und schnell machen können. Die erklären sich bereit, es zu machen, sodass wir das eine gute Lösung finden, eine menschliche Lösung finden. Die Hilfsbereitschaft ist tatsächlich groß. Wir können da echt viel erreichen mit dem Ganzen.“
Auch Thorben wünscht sich mehr Verständnis, Respekt und Begegnungen auf Augenhöhe. Denn obdachlose Menschen bräuchten nicht nur bei extremen Temperaturen Unterstützung. Das Betteln nach Geld oder Lebensmitteln sei für ihn eine große Überwindung. Oft helfe schon eine kleine Geste oder einfach …
Thorben
„Weniger Abneigung. Lieber Fragen und auf einen zukommen, als abneigende Sprüche.“
Das ist auch der Wunsch von Uwe Link. Jeder könne den Bedürftigen helfen und sich engagieren.
Uwe Link, DRK Mainz-Hechtsheim
„Als Rotes Kreuz gibt es bei uns auch eine Arbeitsgruppe Wohlfahrt und Sozialarbeit, auch auf verschiedenen Ebenen, und diese Gruppen beschäftigen sich dann halt auch insbesondere mit der Hilfe für wohnungslose Menschen, für Menschen, die armutsbetroffen sind, für vereinsamte Menschen, und da gibt es einfach ganz viele Möglichkeiten sich einzubringen, auch sehr niederschwellig.“


