Tabakernte beginnt

Wer aktuell durch die Südpfalz fährt oder wandert, der sieht ihn überall blühen: den Tabak. Der Anbau der Tabakpflanze hat dort eine jahrhundertealte Tradition. Es gibt Tabak-Rad- und Wanderwege, ein Tabakfest und – obwohl es heute deutlich weniger Raucher gibt als noch vor ein paar Jahren, gibt es sie immer noch: die Landwirte, die die Tabakpflanze anbauen. Gerade hat die Ernte begonnen.

Es ist ein bisschen wie im Dschungel. Heiß, viele hohe Pflanzen auf engem Raum und vor allem ist es klebrig. Denn die Tabakpflanzen haben kleine Härchen auf ihren Blättern, die eine klebrige Substanz absondern. So wehrt sich die Pflanze gegen Schädlinge und reguliert ihren Wasserhaushalt. Die Ernte macht das nicht besonders angenehm. Es steckt viel Arbeit im Tabakanbau in der Südpfalz.
Dominik Bellaire, Tabakbauer aus Neupotz
„Wir haben am Tabak ungefähr 500 Arbeitsstunden, die wir brauchen. Wir ziehen den Tabak schon als Jungpflanze in den Gewächshäusern groß, bis er setzfertig ist, Anfang Mai. Und dann pflanzen wir ihn mit der Hand aus. Und dann pflegen wir ihn mit Hackgerät und Hacke, zum Teil auch mit Pflanzenschutz, und dann ist die Ernte. Ist ja alles Handernte. Und da fangen wir von unten her an, dass wir quasi nur die reifen Blätter ernten. Das ist jetzt noch zu grün, das muss auf die nächste Runde warten. Und im Endeffekt nehmen wir immer zwei bis drei reife Blätter.“
Die Blüten sind einfach nur schön, für die Tabakherstellung werden sie nicht benötigt. Dominik Bellaire baut auf 20 Hektar Tabak an. Ausnahmslos für Wasserpfeifen. Sein Tabak wird über Händler zum Beispiel nach Ägypten und Jordanien verkauft. Das milde, trockene Klima in der Südpfalz ist ideal für den Tabakanbau.
Jörg Bähr, Geschäftsführer Erzeugergemeinschaft Südwest-Tabak
„Das ist schon eine lange Tradition. Gerade hier in der Gemarkung der ältesten Tabakgemeinde in Deutschland. Hatzenbühl. 1573 urkundlich erwähnt. Bei einem Pfarrer im Pfarrgarten urkundlich erwähnt. Damals als Heil- und Gewürzpflanze. Heute natürlich zum Rauchen und als Genussmittel.“
In Hatzenbühl, dem ältesten Tabakdorf Deutschlands. Gibt es einen Tabakwanderweg, der die Tradition des Anbaus erklärt, und es stehen noch viele Tabakscheunen im Ort. Hier wurden die Blätter früher getrocknet und dann zu Zigarren verarbeitet. Auch heute noch gibt es einige Landwirte, die Pfälzer Zigarren herstellen und ihren Tabak in den historischen Scheunen lufttrocknen lassen.
Jörg Bähr, Geschäftsführer Erzeugergemeinschaft Südwest-Tabak
„In den Hochzeiten hatten wir hier in Rheinland-Pfalz zirka 30.000 Tabakpflanzer, nach dem Krieg waren es dann weniger. Wie ich vor 25 Jahren angefangen habe, noch 300. Heute sind wir leider nur noch 25.“
Die Tabakbauern, die es noch gibt, wollen aber nicht aufgeben. Denn unrentabel ist der Anbau nicht. Die Pflanzen brauchen wenig Platz und es gibt eben nur noch hier in der Südpfalz und in Baden Landwirte, die das Nachtschattengewächs anbauen. Ein Nischenprodukt. Geerntet wird der Tabak bis Anfang Oktober.