Neue Weinmajestät gesucht

Um diese Krone geht es und zwar bei der Wahl zur deutschen Weinmajestät. 12 Gebietsweinköniginnen- und Könige wollen sie haben. Die deutsche Weinmajestät, das ist die Person, die für ein Jahr den deutschen Wein im In- und Ausland repräsentiert und somit die 14.000 Winzer aus den 13 deutschen Anbaugebieten im Land vertritt. Jetzt finden gerade Workshops in Neustadt an der Weinstraße statt, um die Kandidaten bestens auf den Wahlabend vorzubereiten.

 

Wenn ich sage ‚Jetzt‘, machst du bitte die Augen auf und strahlst mich an. Jetzt.“ 
Strahlen für ein professionelles Pressefoto – nur eine von vielen Stationen hier in Neustadt. Als künftige deutsche Weinmajestät müssen die Bewerber schließlich für alles gewappnet sein. Was sie aber schon jetzt mitbringen: Leidenschaft und Fachwissen über guten Wein.
Lena Orth, Weinkönigin Rheingau: „Genau das ist das Spannende daran, eigentlich. Dass man ja von der Pieke auf erzählen kann, weil man selbst direkt an der Rebe steht. Wie das nach Außen dann transportiert wird. Man kann das dann viel einfacher den Endkonsumenten vermitteln, wenn man selbst mit vielen Emotionen im Weinberg steht, selbst anpflanzt. Da weiß man auch, wie viel Arbeit hinter einer Flasche Wein steckt.“ 
Die Kandidaten können nämlich beides: Mit Stiefeln im Weinberg stehen und auf Bühnen oder in Gesprächen das Publikum vom deutschen Wein überzeugen. Damit auch das wirklich immer gelingt, hilft ein Kommunikations-Training.
Claudia Haas-Steigerwald, Rhetorik-Trainerin: „Der eine hat ein Thema mit Stimmveränderung bei Aufregung auf der Bühne. Oder andere haben gesagt, sie möchten gerne beim Thema ‚auf den Punkt kommen‘ arbeiten. Wir bieten etwas an, was sie machen können, an Methodik. Und jede von ihnen oder jeder entscheidet individuell, was passt zu mir und was lasse ich lieber weg.“ 
Und wer im Rampenlicht steht, der hat keine Lust auf zwickende Kleidung oder verschmiertes MakeUp. Die Stylingberatung unterstützt die Weinmajestäten mit Tipps und Tricks.
Zoé Keller de Almeida Soliz, Weinkönigin Nahe: „Ich glaube, dass im Großen und Ganzen diese drei Tage wichtig sind, um ein inneres Vertrauen weiterhin aufzubauen. Vertrauen an einen selber. Und da hilft so eine Stylingberatung einfach unglaublich, weil wir einen professionellen Gegenspieler haben, der uns auch noch einmal Tipps und Tricks geben kann. Wie wir das auch noch einmal besser rausbringen können, was bei uns eh schon leuchtet.“ 
Zum ersten Mal seit es die Tradition überhaupt gibt, kandidieren auch zwei Männer für das Amt. Einer von ihnen, Levin McKenzie, zeigt sich sichtlich demütig.
Levin McKenzie, Weinkönig Rheinhessen: „Dieser Wandel von    Schönheitskönigin vor zig etlichen Jahren zu dem, wo wir heute sind. Mit unglaublich komplexen Themen und perfekt ausgebildeten Frauen, die Experten und Überexperten sind, das haben sich alles Frauen erarbeitet und ich bin da sehr dankbar, dass ich mitmachen darf. Und auf deren Welle mitschwimmen darf.“ 
Konkurrenzstimmung ist hier in der Pfalz an keiner Ecke zu spüren. Im Vordergrund steht voll und ganz: Alles geben für den heimischen Wein.
Maike Dickhaus: Und bei mir im Studio zu Gast ist jetzt die amtierende deutsche Weinkönigin Charlotte Weihl aus Genheim. Guten Abend, Ihre Majestät. Muss ich ja sagen.
Charlotte Weihl: Vielen lieben Dank für die Einladung.
Maike Dickhaus: Und ja, Sie waren ja eben auch beim Workshop dabei. Haben Ihre Tipps weitergegeben an die Bewerber zur deutschen Weinmajestät. Was muss man denn da alles mitbringen, um dann am Ende auch ganz oben auf dem Treppchen zu landen, so wie Sie?
Charlotte Weihl: Es kommt ganz schön viel zusammen. Also ich glaube, die perfekte Mischung, das perfekte Paket, es geht natürlich um Fachwissen, weinbauliches Fachwissen ist natürlich die Voraussetzung. Deswegen wird auch gerade beim Vorentscheid vor allem der Fokus auf das Wissen auch gelegt. Aber es geht auch um Spontanität, Ausstrahlung, die Rhetorik, wie man natürlich auch das Fachwissen an zum Beispiel die Endverbraucher rüberbringt. Und deswegen wird sowohl beim Vorentscheid auch als beim Finale alle Kandidatinnen und Kandidaten auf Herz und Nieren geprüft.
Maike Dickhaus: Und das weinbauliche Fachwissen haben sie.
Charlotte Weihl: Genau. Ich selbst studiere internationale Weinwirtschaft, komme aus einer Familie, wir haben extremen Weinbezug, bin quasi in den Weinreben eigentlich großgeworden und das hat mir letztes Jahr natürlich auch geholfen, dass ich auch ganz viele Erfahrungen bereits aus dem Weingut bzw aus dem Studium mit in die Wahl nehmen konnte.
Maike Dickhaus: Genau vor rund einem Jahr haben Sie Ihr Amt dann angetreten. Wir sehen jetzt gleich noch mal ein paar Highlights aus dieser Zeit. Was waren das für Momente? Erzählen Sie mal.
Charlotte Weihl: Genau, das war eine meiner ersten Veranstaltungen. Das war unmittelbar in der Woche nach der Wahl. Ich war zu Besuch in der Botschaft in Frankreich, in der deutschen Botschaft in Paris und hatte dort die Gelegenheit, auch über den rheinland pfälzischen Wein zu sprechen. In Rheinland Pfalz gibt es ja sechs unserer 13 Wein Anbaugebiete, war zusammen mit unserer Weinbauministerin Daniela Schmitt und Verteidigungsminister Pistorius. Dort war ein sehr ereignisreicher Termin und direkt ein Highlight auch zu Beginn der Amtszeit.
Maike Dickhaus: Hier haben wir noch ein Bild.
Charlotte Weihl: Genau das war auch kurz nach meiner Krönung. Das ist der Winzerfestumzug in Neustadt ist eigentlich immer so mit der erste Termin, wo auch dann die Deutsche Weinkönigin bzw Deutsche Weinmajestät vertreten ist für mich höchst emotional, weil der Winzerfestumzug in Neustadt ist. Ich bin in Neustadt auf die Schule gegangen. Ich bin ja gebürtige Pfälzerin und es war Gänsehaut pur, als das ganze Publikum auch den eigenen Namen gerufen hat, gratuliert hat. Und das war ja ein sehr, sehr schöner Beginn in die Amtszeit als deutsche Weinkönigin.
Maike Dickhaus: Also viele schöne Momente. Derzeit ist es ja aber etwas schwierig mit dem deutschen Wein. Zum einen trinken junge Menschen weniger Alkohol und zum anderen brechen gerade Absatzmärkte wie zum Beispiel die USA weg. Was bedeutet das für eine deutsche Weinkönigin?
Charlotte Weihl: Klar, wir merken es In der Weinbranche kommt grad viel zusammen. Es ist die Gesellschaft, die sich verändert, das Gesundheitsbewusstsein, was stetig steigt. Viele Menschen entscheiden sich dazu, kein Alkohol zu trinken, die steigende Inflation. Man hört schon viele Herausforderungen. Aber ich kann schon sagen, dass wir als Weinbranche sehr motiviert auch in die Zukunft blicken, gerade eine jüngere Zielgruppe vor allem mit Nachhaltigkeit, Regionalität ansprechen wollen. Ich kann selbst als junger Mensch sagen, das sind auch die Faktoren, die uns dazu bringen, auch eine ganz andere Zahlungsbereitschaft für Produkte aufzubauen. Und was das Thema Export angeht mit der USA, die schwankenden Bedingungen dort sind sehr, sehr herausfordernd. Aber wir sind auch auf vielen anderen Exportmärkten vertreten, wie zum Beispiel im skandinavischen Raum. Oder ich selbst war auch im Amt in Japan zu Besuch und durfte dort auch erfahren, wie hoch das Interesse an deutschen Wein in der japanischen Kultur ist. Also auch da sind wir weiterhin trotzdem sehr, sehr gut aufgestellt.
Maike Dickhaus: Ein wichtiges Amt also, das Sie dann am 26. September an Ihre Nachfolgerin oder auch Ihren Nachfolger übergeben werden. Charlotte Weihl vielen Dank für den Besuch im Studio.
Charlotte Weihl: Herzlichen Dank!