Unser Reporter im Maislabyrinth

Vom größten Flughafen, jetzt zum größten Irrgarten Hessens. Der befindet sich in LichEberstadt bei Gießen und besteht aus Maispflanzen. Und wir haben da mal unseren 17:30-Reporter Marcel Gassan reingeschickt.

 

Marcel Gassan, Reporter 
 „Durch dieses Maislabyrinth führen 2.600 Meter lange Wege und ich muss jetzt den richtigen finden. Ich bin gespannt, wie ich mich schlage. Manche brauchen dafür 15 Minuten, andere eineinhalb Stunden. Ich bin ein wenig aufgeregt, für mich ist es das erste Mal im Maislabyrinth und dann bin ich auch noch hier gelandet, im größten Maislabyrinth Hessens. Na, dann mal los.“
Dieses Maislabyrinth ist groß, sehr groß: Über 40.000 Quadratmeter. Rund 1 Millionen Maispflanzen wurden hier gesät. Alle zwei Jahre hat das Mais-Labyrinth hier in LichEberstadt bei Gießen geöffnet. Jedes Mal gibt’s ein neues Muster.
Nach der dritten Kreuzung habe ich die Orientierung ehrlicherweise schon verloren. Und damit bin ich nicht alleine:
Reporter: Blick man hier durch, weil ich habe keine Ahnung mehr wo ich bin.“
Angelika: „Also ich blicke auch nicht durch. Ich weiß es auch nicht. Mal gucken, ob wir den Ausgang finden.“
Michel: „Vielleicht, da?“
Ulrike: „Ist man völlig alleine gelassen. Ich bin jetzt drei Mal an derselben Stelle, die Enkel haben Hunger und Durst.“
Emil: „Also am Anfang ging’s noch. Da habe ich den Turm relativ schnell gefunden. Aber jetzt bin ich auch ein bisschen verwirrt. Irgendwie, alles sieht gleich aus.“
Reporter: „Und ist das Maislabyrinth verwirrend?“
Hannah: „Manchmal. (…) Wenn es irgendwie so viele Wege gibt und man weiß nicht, welchen Weg man gehen soll.“
So geht’s mir auch: Links, rechts, oder doch woanders hin? Ich merke: Hier schaut alles ziemlich ähnlich aus. Manchmal laufe ich mehrmals über dieselbe Stelle.
Die Maispflanzen sind über zwei Meter hoch und versperren mir die Sicht. Ich erhoffe mir ein paar Tipps und treffe Jonas Weisel.
Reporter: „Seit 22 Jahren betreibt die Familie Weisel hier das Maislabyrinth. Hat sich in diesen 22 Jahren schon jemand hier verirrt? Kam jemand gar nicht mehr raus?“
Jonas WeiselMaislabyrinth LichEberstadt:
„Ja, also verirrt hat sich auf jeden Fall schon des Öfteren jemand. Natürlich kommt das ganz drauf an, wie weit man bei uns läuft oder was man alles sucht. Aber bis jetzt hat jeder rausgefunden irgendwie. Wir haben auch eine Notfallnummer am Turm, wo man anrufen kann oder natürlich andere Leute fragen. Wir haben einen großen Turm in der Mitte. Sozusagen als Mittelpunkt, wo man eigentlich jeden wieder findet und bis jetzt hat jeder zum Glück wieder herausgefunden und ist nach Hause gekommen.“
Reporter: „Wenn ich jetzt gar nicht mehr weiter weiß, wenn ich gar nicht mehr weiß, wie ich weiter vorankomme, gibt’s da Tipps? Wie komme ich weiter?“
Jonas WeiselMaislabyrinth LichEberstadt
„Ja, theoretisch ja. Normalerweise bei unseren alten Labyrinthen war es immer rechts rum laufen, da ist man irgendwann beim Ausgang rausgekommen. Und dieses Jahr passt das nicht ganz so mehr. Dieses Jahr muss man sich einfach gut orientieren und die Mitte finden und dann wieder mal gucken, wo man ist und dann findet man eigentlich auch gut wieder raus. Aber so ein richtiges Rezept dieses Jahr bei unserem Labyrinth gibt’s leider nicht.“
Reporter: „Also weiter nach dem Gefühl.“
Jonas WeiselMaislabyrinth LichEberstadt „Genau, richtig. Immer der Nase nach.“
Eine gute Nachricht gibt’s aber doch: In diesem Maislabyrinth gibt es keine Sackgassen. Es geht also immer irgendwie weiter.
Übrigens: Maislabyrinthe sind noch eine relativ neue Erfindung:
Erst In den 1990er Jahren wurden die ersten in den USA angelegt. Also vor gerade mal erst 30 Jahren.
Der Trend kam dann auch schnell nach Deutschland und nach Hessen. Die meisten Maislabyrinthe haben hier ungefähr von Julia bis Oktober geöffnet.
Im Labyrinth verliert man sich nicht. Im Labyrinth findet man sich. Habe ich mal gelesen. Und während ich in meinen Gedanken verloren bin, sehe ich plötzlich das Ziel:
Reporter Marcel Gassan: „Endlich, ich hab’s geschafft. Das Ende des Labyrinths habe ich wieder gefunden. Ich war eine gute Stunde unterwegs und ich bin jetzt ziemlich durch. Nicht so, wie der Mais hier. Der wird erst im Oktober gedroschen und dann Tieren zum Futter gegeben. Und ich? Ja, ich genieße mal jetzt meine neue Freiheit.“