Menschen mit Behinderung oft im Job benachteiligt

In Rheinland-Pfalz leben rund 320.000 Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Das sind fast acht Prozent der Gesamtbevölkerung. Viele von ihnen sind in ganz normalen Jobs tätig. Allerdings gibt es noch immer einen großen Anteil derjeniger, die gerne arbeiten würden, aber keine Anstellung finden. Laut Studien scheuen Arbeitgeber häufig den Verwaltungsaufwand oder glauben, Menschen mit Behinderung seien weniger belastbar. Wir haben einen Betrieb in Mainz besucht, bei dem das ganz anders ist.

Seit vier Jahren arbeitet Finn Schmitt in diesem Mainzer Elektrobetrieb. Sein Job: Schäden bestimmen und Elektrogeräte wie zum Beispiel Fernseher reparieren.
Finn Schmitt, Informationselektroniker mit Handicap: Bei dem Gerät war der Satellitenanschluss defekt. Und der befindet sich auf dem Mainboard. Und das habe ich daraufhin dann ausgetauscht.“ 
Finn hat das Asperger-Syndrom – eine Entwicklungsstörung, die sich auf die Reizverarbeitung und Kommunikationsfähigkeit des Betroffenen auswirken kann. Das hindert den 21-Jährigen aber nicht daran, seine Begeisterung für Technik auszuleben.
Finn Schmitt, Informationselektroniker mit Handicap: Als ich mit vier Jahren das erste Radio auseinandergebaut habe, das war ein Erbstück von der Uroma, das fanden meine Eltern dann nicht so toll. Aber ich fand es damals schon sehr interessant, wie die Technik funktioniert.“ 
Deshalb hat er sich nach seinem Realschulabschluss für eine Karriere als Informationselektroniker entschieden. Nach einem mehrwöchigen Praktikum beginnt er hier auch seine Ausbildung – aus Sicht des Seniorchefs eine Win-Win-Situation. Denn Finn arbeite zwar etwas langsamer als viele seiner Kollegen, dafür aber sehr präzise und zuverlässig. Im Arbeitsalltag laufe es also gut, in der Berufsschule sei es dagegen schwierig gewesen.
Wolf-Dieter Schmidt, Unternehmer aus Mainz: Das, was wir hier aufgebaut haben an Motivation, das wurde von der Berufsschule demontiert, indem er pädagogisch überhaupt nicht betreut war. Man ist auf sein Handicap überhaupt nicht eingegangen. Da muss in der Zukunft was bei passieren.“ 
Die Agentur für Arbeit kennt Probleme dieser Art und unterstützt Arbeitgeber wie Wolf-Dieter Schmidt.
Heidrun Schulz, Leiterin Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz: Je nach Behinderungsart braucht es Unterstützung. Und wir können da wirklich auf entweder unsere eigenen Beratenden zurückgreifen oder aber auch Coachings und Weiteres finanzieren, um Dinge zu erleichtern.“ 
Außerdem gebe es für Betriebe, die Menschen mit Handicap beschäftigen, die Option, staatliche Zuschüsse zu beantragen, um mögliche wirtschaftliche Nachteile auszugleichen. Trotz gesetzlicher Verpflichtung, eine gewisse Quote an Menschen mit Schwerbehinderung zu beschäftigen, erfüllt in Rheinland-Pfalz nur rund ein Drittel der Betriebe diese Vorgabe. Mehr als 20 Prozent kommen dieser Verpflichtung überhaupt nicht nach und müssen entsprechende Ausgleichszahlungen leisten. Dennoch ist die Zahl der beschäftigten schwerbehinderten Menschen in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen. Auch dank Arbeitgebern wie Wolf-Dieter Schmidt.
Wolf-Dieter Schmidt, Unternehmer aus Mainz: Letzten Endes profitieren wir als Arbeitgeber. Wenn wir so einen einstellen, der seine Arbeit zuverlässig ausführt, ohne Reklamationen, und den Kunden, den Endkunden letzten Endes zufriedenstellt.“ 
Deshalb hat er sich dafür entschieden, Finn nach der Ausbildung auch weiterhin zu beschäftigen.