Frankfurt und das Wasserentnahme-Verbot

Wasser-Stopp in Frankfurt. Diese Woche hatten wir die Meldung in der Sendung, dass Frankfurt die Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen verbietet. In der Pressemeldung schreibt die Stadt: Einzelne Gewässer sind bereits trocken gefallen, andere zu Rinnsalen geschrumpft oder führen Niedrigwasser. Und das in einem Sommer, der schon übermäßig viele Regentage hatte? Wir waren vor Ort auf der Suche nach den Rinnsalen – um die Worte der Stadt zu verwenden.

Der Urselbach bei Niederursel: Auf den ersten Blick ist hier von Niedrigwasser nicht viel zu sehen. Ganz im Gegenteil: Der Bach scheint momentan sogar noch etwas mehr Wasser zu führen als üblich. Normalerweise tauchen an dieser Stelle und zu dieser Jahreszeit oft große Steine auf, über die man trockenen Fußes zur anderen Seite gelangt – anno 2025 sind hier wohl eher Gummistiefel angesagt. Anderer Bach, ähnliches Bild: Auch der Erlenbach im Norden Frankfurts kommt dieser Tage nun wirklich nicht als „Rinnsal“ daher – hier scheint der Pegel aber zumindest etwas niedriger zu sein als sonst – an manchen Stellen kommt das Kiesbett zum Vorschein. Und auch der Nidda – hier an der Römerbrücke im Frankfurter Niddapark – geht ganz offensichtlich nicht das Wasser aus. Warum also gerade jetzt ein Wasserentnahmeverbot für Bäche und Flüsse? Die Stadt Frankfurt bezieht sich auf eine europäische Wasserrahmenrichtlinie. Ziel sei es, die Fließgewässer durch die Maßnahme in einem möglichst guten ökologischen und chemischen Zustand zu erhalten.
Texttafel: „Die Allgemeinverfügung ist daher als präventives Mittel zu verstehen und soll möglichst vor beziehungsweise spätestens beim Erreichen von Niedrigwasserabflüssen greifen.“ (Umweltamt Stadt Frankfurt)
Von echtem Niedrigwasser kann derzeit also keine Rede sein. Auch die Grundwasserspeicher sind gut gefüllt.
Thomas Schmid, Präsident Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie: „Da hatten wir das Glück, dass die letzten beiden Winterhalbjahre, also 2023 und 2024, sehr regenreich waren. Und deshalb ist das Grundwasser in Hessen gut gefüllt. Also wir haben normale Grundwasserstände für diese Jahreszeit.“ 
Also weiterhin kein Grund zur Sorge – beim Grundwasser wie auch bei Flüssen und Bächen?
Thomas Schmid, Präsident Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie: „Das hängt natürlich vom Wetter ab. Wenn es jetzt nächste Woche oder die nächsten Wochen im August – August ist ja auch noch Sommer – wenn es da trocken bleibt und die Wasserstände wieder sinken, dann sind natürlich Entnahmeverbote gerechtfertigt. Wenn es natürlich dauerregnet die nächsten Wochen, dann wird natürlich der Wasserkörper sich auffüllen. Und dann braucht man auch keine Entnahmeverbote mehr.“ 
Beim derzeitigen Blick auf Frankfurts Flüsse und Bäche wird jedenfalls nicht sofort klar, warum die Stadt gerade jetzt, nach einem der regenreichsten Julis der vergangenen Jahre, zur Radikalmaßnahme „Wasserentnahmeverbot“ greift. Und warum die Verfügung auch gleich noch bis zum 31. Oktober gilt.