Kampf gegen die Krise im Wohnungsbau

In Deutschland fehlen schon seit Jahren hunderttausende Wohnungen, die Mietpreise steigen stetig weiter und vor allem im Sozialen Wohnungsbau kommen die Neubauvorhaben nicht voran. Die Wohnungsnot in Deutschland entwickelt sich mehr und mehr zu einer der sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Auch in Hessen wird immer noch viel zu wenig gebaut, auch wenn ein paar Projekte Hoffnung geben.

Erst seit knapp zwei Jahren gibt es das neue Wohnprojekt in Kassel Harleshausen. Und schon fühlen sich die Bewohner bereits richtig wohl, denn eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden, ist nicht einfach.
Kira Barthel, Bewohnerin:
Gerade bei größeren Wohnungen ist es schon sehr schwierig, weil das Meiste was auf dem Markt ist ist direkt auch wieder weg oder unbezahlbar. Das ist halt einfach auch so. Und hier ist es noch human dafür, dass es eben auch ein Neubau ist.“
Das Wohnprojekt ist in mehrerer Hinsicht besonders: hier leben nicht nur Menschen jeder Altersgruppe, sondern auch aller Einkommensklassen, denn knapp die Hälfte der Wohnungen sind Sozialwohnungen. Von denen fehlen laut einer Studie mindestens 80.000 in Hessen. Dennoch ist die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel gesunken. Ein Umstand, der auch dem Minister für Wohnen in Hessen, Kaweh Mansoori nicht gefallen kann.
Kaweh Mansoori, SPD, Minister für Wohnen, Hessen:
Hessen hat jetzt einen eigenen Gesetzesvorschlag auf den Tisch gelegt, mit dem wir die Genehmigungen beschleunigen wollen. Da spielen viele Dinge eine Rolle. In vielen Bereichen und für viele Projekte braucht es gar keine Baugenehmigung mehr. An anderen Stellen erleichtern wir das Thema Baustandards. Gleichzeitig digitalisieren wir auch die Baugenehmigung in ganz Hessen. All das soll wieder dazu beitragen, dass wieder mehr bezahlbare Wohnungen für ganz normale Hessinnen und Hessen gebaut werden.“
Doch gerade Neubauten sind dank der explodierenden Baukosten momentan teuer wie nie. Auch im Nordhessischen Gudensberg wird momentan eher um- statt neugebaut. In einem ehemaligen Supermarkt ist ein Zentrum für Vereine entstanden, in einen alten Bauernhof soll eine Kita. Kreativität im Angesicht mangelnder finanzieller Mittel.
Sina Massow, parteilos, Bürgermeisterin Gudensberg:
Also uns würde total helfen, wenn wirklich die finanzielle Unterstützung seitens des Bundes und des Landes im Bereich sozialer Wohnungsbau so hoch ist, dass sich dritte Investoren ausschließlich mit diesen Fördergeldern dann auch bewegen können um dann auch diese Bauprojekte dann umzusetzen. Im Moment haben wir hier auf kommunaler Ebene den Eindruck, dass die Geldmittel genau dafür noch nicht ausreichen.“
Bundesbauministerin Verena Hubertz hatte zuletzt davon gesprochen, die Baukosten in Deutschland halbieren zu wollen. Dafür sollen auch Baustandards auf den Prüfstand. Ob eine solche Halbierung realistisch ist, will der Hessische Wohnminister heute nicht bewerten. Aber:
Kaweh Mansoori, SPD, Minister für Wohnen, Hessen:
Auch da wird es darum gehen, dass von überflüssigen Baustandards abgewichen werden kann, dass Menschen die beispielsweise zum Baustandard von 2005 bauen wollen, was immer noch viel besser ist als die meisten Wohnungen in denen die Menschen leben, dass die auch zwingend eine Genehmigung bekommen. Weil es nicht sein kann, dass jedes Jahr die Baukosten weiter explodieren.“
Hier in Kassel zumindest sollen ab kommenden Jahr noch zwei weitere Neubauten nach gleichem Vorbild entstehen. Die Warteliste, besonders für die geförderten Wohnungen, ist jetzt bereits lang.