Immer mehr vergiftete Bäume

Fast jede Woche gibt es neue Fälle bei denen Bäume in Hessen gezielt mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat vergiftet werden. Die neuesten Meldungen gibt es gerade aus Bad Hersfeld und dem südhessischen Riedstadt. Hier wurde eine über 200 Jahre alte Eiche Opfer der Giftattacke.

Die Blätter welk und gelb, die Krone an vielen Stellen kahl. Dieser Baum stirbt gerade. So sieht die berühmte Karl-Spengler-Eiche in Riedstadt-Goddelau eigentlich aus. Doch nun haben Unbekannte den unter Naturschutz stehenden Baum vergiftet. Der Bürgermeister ist entsetzt.
Marcus Kretschmann (CDU), Bürgermeister Riedstadt: „Erstmal war ich total geschockt, weil ich mir gar nicht erklären konnte, was ist so ein Antrieb für jemanden, der sowas macht. Das ist ein total unerklärlicher Vorgang. Ich kanns auch immer noch nicht glauben.“
Doch damit nicht genug. Sieben weitere Eichen sowie ein Walnuss-Baum und eine Rosskastanie in Riedstadt sind betroffen. Alle stehen mitten auf freiem Feld.
Als der ungesunde Wuchs der Bäume auffällt, denken die Stadtmitarbeiter deshalb zuerst an einen Schädlingsbefall. Doch dann entdecken sie eindeutige Indizien auf eine Giftattacke. Tiefe Bohrlöcher in den Stämmen, gut getarnt mit Blättern und Reisig.
Holger Schanz, Leiter Fachgruppe Umwelt Riedstadt: „Hier sieht man zum Beispiel so eins. Und das heißt es wurde einfach die Erde und das Gras bisschen auf Seite gelegt und dann halt hier mit einem 12-15 Millimeter Bohrer ein schräges Loch hineingebohrt. Etwa 20 Zentimeter tief und dann wahrscheinlich eben über eine Spritze ein Herbizid in den Baum eingebracht.“
Nach Untersuchungen steht fest. Bei dem Gift handelt es sich um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Hessen erklärt, wie das wirkt.
Berthold Langenhorst, NABU Hessen: „Es ist so, dass es natürlich als Gift gedacht ist für Pflanzen, die man nicht haben möchte. Und da wirkt es ganz ganz schnell. Und im Baum ist es so, dass Glyphosat die Funktion hat, es blockiert ein bestimmtes Enzym, was nötig ist, um Eiweiße zu produzieren. Ohne die Eiweiße können die Pflanzen nicht überleben. Und das führt dann eben dazu, dass das Wachstum eingestellt wird, dass die Blätter vergilben und, dass die abfallen. Und im schlimmsten Fall stirbt der Baum dann.“
Und es gibt immer mehr Fälle dieser Art in Hessen. Erst kürzlich wird entdeckt, dass auch in diese Platane in Butzbach Glyphosat gespritzt wurde. Weitere Gift-Attacken gibt es in Bad Hersfeld, Limburg, Großkrotzenburg und Frankfurt.
In der Mainmetropole sind zwei große Platanen in der Innenstadt nicht mehr zu retten. Sie müssen Mitte Juli gefällt werden. Das Motiv der Glyphosat-Attentäter bleibt rätselhaft.
Berthold Langenhorst, NABU Hessen: „Es kann sein, dass Menschen sagen, oh diese Bäume stören mich und die Blätter fallen in Herbst und das will ich nicht. Oder da sind irgendwelche Tiere drauf, wo ich sage, ah nee, das stört mich. Aber die Fälle sind so unterschiedlich, dass man eigentlich kein klares Motiv erkennen kann.“
Marcus Kretschmann (CDU), Bürgermeister Riedstadt: „Es muss jemand sein, der irgendeinen Hass hat gegen die Natur, gegen Bäume. Und das ist was, wo wir uns überhaupt nicht erklären können.“
In Riedstadt versucht man die alte Eiche nun durch eine intensive Bewässerung zu retten, das Gift sozusagen zu verdünnen. Die Stadt hat außerdem Anzeige bei der Polizei gestellt und 500 Euro Belohnung ausgesetzt. Sollten die Baum-Hasser gefasst werden, droht ihnen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Der Appell an alle lautet daher: Finger weg von unserer wundervollen Natur!