Atlantis am Edersee

Atlantis – ein sagenumwobenes Inselreich. Philosoph Platon beschrieb eine Stadt, die im Meer versinkt. Ganz so tief wie das Meer ist der Edersee in Nordhessen nicht. Bei Niedrigwasser tauchen dort aber immer wieder historische Bauten auf. Dieses Jahr deutlich früher als sonst. Wir haben uns aufgemacht – nach „Edersee-Atlantis“.

Plötzlich auftauchende Grabsteine auf alten Friedhöfen, Grundmauern längst versunkener Siedlungen – und eine Brücke, die normalerweise tief unter der Wasseroberfläche liegt. Atlantis taucht wieder auf – hier im Edersee, der aktuell nur noch zu 30 Prozent mit Wasser gefüllt ist.
Iris Dorn-Fehr, Naturparkführerin Kellerwald-Edersee
„Und das ist für diese Jahreszeit schon extrem wenig. Normalerweise hätten wir jetzt hier noch zehn bis zwölf Meter mehr Wasser um diese Jahreszeit. Aber dieses Jahr ist halt sehr trocken.“
Normalerweise führt der See erst im Herbst so wenig Wasser. Nun kommen sie bereits jetzt wieder zum Vorschein: Die Reste versunkener Dörfer, die die Bewohner verlassen mussten, als der Edersee um 1910 aufgestaut wurde. So wie den Ort Berich.
Iris Dorn-Fehr, Naturparkführerin Kellerwald-Edersee
„Berich kommt als erstes raus. Man kann schon bei sechs Meter unter Voll etwas erkennen. Und wenn‘s jetzt noch weiter runtergeht, sehen wir hier auch noch eine Straße. Aber die kommt nie raus, weil das Wasser-Minimum erhalten bleiben muss aus Naturschutz-Gründen. Es geht ja nicht, dass man den Edersee ablässt.“
Highlight auf dem Grund des Sees: Die Brücke Asel. Normalerweise nicht sichtbar und ein tückisches Schifffahrts-Hindernis unter der Wasseroberfläche.
Rita Wilhelmi, Naturparkführerin Kellerwald-Edersee
„Also höchster Punkt Brücke, zehn Meter Wasser drüber – das wäre der See bei Voll-Stau. Und dann jetzt hier zu laufen auf dem Boden des Sees, das ist einfach faszinierend.“
Und zieht jede Menge neugieriger Besucher an.
Reinhard Ahrens
„Ich finde das interessant, deswegen bin ich hier. Einfach nur mal gucken. Das sieht man ja nicht oft.“
Ramona Wagner
„Ja weil die Brücke ja jetzt früher rausgekommen ist und da haben wir gesagt: das schauen wir uns mal an.“
Hans-Albert Brenner
„Wir haben die Brücke von oben schon gesehen und dann haben wir uns die als Ziel genommen. Weil das sehr beeindruckend ist hier mit der trockengelegten Brücke, die eigentlich noch voll intakt ist. Normalerweise muss man hier mit der Fähre rüberfahren, jetzt kann man hier zu Fuß gehen.“
Zu Fuß erreicht man dieser Tage auch den versunkenen Friedhof von Bringhausen. Vier Reihen Gräber sind schon sichtbar.
Iris Dorn-Fehr, Naturparkführerin Kellerwald-Edersee
„Man sieht, das Wasser verschwindet jeden Tag ein bisschen mehr. Da kommt schon die nächste Gräber-Reihe raus, die jetzt auch ans Tageslicht will.“
Für die nächsten Tage ist weiter mit sinkendem Pegel zu rechnen. Es wird also noch mehr Geheimnisvolles zum Vorschein kommen – hier im „Edersee-Atlantis.“

+++ Die nächste Führung von Naturparkführerin Iris Dorn-Fehr findet am 03.08.2025 von 14:00 bis 17:30 Uhr in Bringhausen statt. Treffpunkt: Parkplatz Melbach +++