Mobiler Container für den Katastrophenfall

Zugeklappt sieht er zunächst aus, wie ein unspektakulärer Container. Doch innen drin verbirgt sich etwas ganz Neues – eine Innovation im Bereich des Katastrophenschutzes. Ein rollendes Rettungs- und Gesundheitssystem. das ist die Erfindung eines Sanitäters aus der Eifel. Der Container ist also so etwas wie eine mobile Intensivstation.

Er kommt auf einem Tieflader angefahren. Ein Container, in dem Leben gerettet werden kann. Das Ziel ist der Parkplatz des Bürgerhauses von Ettringen. In nur wenigen Minuten kann Heinz Werner Kleine-Natrop seine Erfindung aufbauen. Eine mobile Notaufnahme.
Heinz Werner Kleine-Natrop, Erfinder aus Ettringen
„Ich habe mir deutschlandweit und auch weltweit immer Katastrophenschutzsysteme angeguckt, und da habe ich dann halt gesehen, dass wir immer ein bisschen zu langsam sind. Wir brauchen viel zu viel Personal bei Großschadenslagen. Wir verschwenden ganz, ganz viel Zeit. Und die erste Stunde zählt. In der Katastrophenmedizin, in der Rettungsmedizin. Und das muss alles schneller gehen.“
Zusammen mit dem Katastrophenschutzinspektor des Kreises Mayen-Koblenz entlädt der Erfinder und Notfallsanitäter den Prototyp seiner Rettungsstation. Die ist so konzipiert, dass sie jeder aufbauen kann. Die Materialkästen haben verschiedene Farben. Alles, was mit der Stabilisierung des Kreislaufs zu tun hat, ist zum Beispiel rot.
Heinz Werner Kleine-Natrop, Notfallsanitäter
„Ja, getüftelt, die ersten Ideen kamen schon 2005, aber die finale Situation, die kam dann nach Berlin Breitscheidplatz, nachdem das Unglück passiert ist, habe ich gesagt: Jetzt muss was in der Katastrophenmedizin passieren.“
Der islamistische Terroranschlag mit 13 Toten und vielen Verletzten, als Auslöser für das Tüfteln an einer schnellen und umfassenden Vorortversorgung. 16 Patienten können parallel behandelt werden. Das Notfallsystem ist klimatisiert. Helfen können die Sanitär schon nach wenigen Minuten.
Rainer Nell, Brand- und Katastrophenschutzinspektor Mayen-Koblenz
„Weil wir das Personal, das wir dringend brauchen, um die Verletzten zu versorgen, direkt zu den Verletzten schicken können und hier nicht viel Personal genutzt wird, um Container und Zelte aufzubauen. Den Container können wir mit zwei Personen aufbauen, alle anderen Helfer sind direkt beim Patienten, können sich also um die wichtigere Aufgabe, die Versorgung der Patienten, kümmern.“
Den Prototyp des rollenden Rettungssystems hat der Kreis Mayen-Koblenz bestellt und finanziert. Die rund 1,3 Millionen Euro sind für Landrat Marko Boos eine gute Investition.
Marko Boos (SPD), Landrat Mayen-Koblenz
„Es ist wichtig für Situationen, in denen beispielsweise ein Ahrtal überschwemmt wird, dass wir dieses Projekt haben und darauf aufbauen können, vielleicht auch andere Kreise dann sehen, wie sinnvoll und wie gut das ist und wie schnell das auch aufgebaut ist, auch in die Weiterentwicklung gehen können.“
Schnelle Hilfe auf 82 Quadratmetern. Seine Erfindung hat Heinz Werner Kleine-Natrop patentieren lassen. Österreich, die Schweiz und die deutsche Bundeswehr haben bereits Interesse bekundet.
Heinz Werner Kleine-Natrop, Erfinder aus Ettringen
„Jeder hat immer gesagt: Das funktioniert nicht, das kann nicht funktionieren. Ich war immer ein Typ, der gesagt hat: Das muss aber funktionieren und das muss kinderleicht funktionieren.“
Bald hat das „Rolling Multi Rescue Health System“ seinen ersten Einsatz. Bei Rhein in Flammen am 9. August soll die Erfindung aus der Eifel aufgebaut werden.